Andreas Noßmann – Zeichnungen für mutige Voyeure …

MIKS_02-2014.inddRadierungen, Zeichnungen und Lithografien sind drei wichtige Ausdrucksformen des bekannten Zeichners Andreas Noßmann. Im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich der 52-jährige Künstler längst einen Namen gemacht, nicht nur, weil er bis vor zehn Jahren dort lebte und arbeitete sondern vielmehr, weil seine künstlerische Arbeit über Jahrzehnte von Kennern beobachtet, analysiert und – nicht zuletzt – gekauft wird. Der Betrachter der Zeichnungen aus Noßmannschen Zyklen wie „Die 7 Todsünden“, „Sexus“ oder „In Society“ sieht sich mit einer überraschenden, teilweise versteckten Offenheit konfrontiert, die zu zweiten, dritten und vierten Blicken auf das Objekt geradezu zwingt. Die spezielle Art der gezeichneten Erotik macht die Werke aus diesen Zyklen wohl so begehrenswert, man sucht sie regelrecht in den Bildern. Die Begegnung mit ihr variiert. Mal kommt sie als laszive Diva daher und erreicht den Betrachter eher subtil, dann wiederum beherrscht sie das komplette Werk mit enormer Präsenz in fast jeder Szene und wieder anders – für viele erschreckend – findet sie sich in Szenen der Erniedrigung, Not und Qual. Doch nicht nur diese Themen beherrscht Noßmann auf seine ganz spezielle Art. So sind auch Musikinstrumente und ihre Spieler ein großes Thema. Empfehlenswert – vor allem für Laien – ist da ein kleiner Einblick in die Entstehung einer Zeichnung; das Internet macht es möglich.M I K S – Magazin fragte den Künstler nach Zukunftschancen für junge Talente, nach der Bedeutung der neuen Medien für die Kunst und nach der eigenen Kreativität. Außerdem wollten wir wissen, ob sich Kunst als Geldanlage lohnen kann.

Herr Noßmann, Sie sind seit 1986 als freischaffender Künstler tätig – eine lange Zeit. Wie halten sich neue junge Talente nachhaltig in der Kunstszene?

Einfach ist es nicht, allein durch die Tatsache, dass der Wert eines Künstlers oder seiner Werke mit dessen Entwicklung und daher mit der Zeit steigt. Also ist Geduld gefragt. Ein anderer Punkt ist ein Manko in Bereichen wie Wirtschaftlichkeit und Marketing. Ein Künstler muss sich vermarkten können! Doch das lernt man leider nicht auf einer Kunstakademie. Der Kontakt zu guten Galleristen ist wichtig, die Netzwerkpflege ebenso. Es spielen so viele Komponenten zusammen. Bei einem passt es, bei vielen anderen leider nicht. Eins gilt für alle: Der Kunstmarkt kommt nicht zu Dir, Du musst aufstehen, losgehen und Dich ihm zeigen!
Neue Medien spielen auch in der Kunstszene eine wichtige Rolle. Fluch oder Segen? Wie in vielen anderen Brachen auch: Fluch und Segen zugleich! Wer sich nicht per se dagegen verschließt macht es richtig. Kunstfreunde können sich im Netz einen umfassenden Überblick über Künstler und Werke verschaffen; Galeristen und Vernissagen bieten die nicht zu ersetzende Wirkung der Originale auf den Betrachter. Schlau ist, wer beide Kanäle geschickt miteinander verbindet und so eine breite Zielgruppe anspricht.

Apropos Zielgruppe. Viele Ihrer Bilder kosten einige tausend Euro, eine Anschaffung, die nicht mal eben getätigt wird. Wer kauft Kunst und wer sollte sie kaufen? Wird sie mehr und mehr zur Geldanlage?

MIKS_02-2014.inddIch denke ja. Kunst war immer in den Zeiten des Umbruchs gefragt. Durch zunehmende Digitalisierung und Wirtschaftsschwankungen befinden wir uns mehr denn je im Umbruch. Kunst wird in erster Linie von Liebhabern gekauft und dort oft auch nur von denen, die das Geld übrig haben. Doch wäre es nicht einmal ein Denkanstoß in „Kunststücke“ zu investieren und sich so nachhaltige Werte zu schaffen, die über Generationen weitergegeben werden? – Eins noch: Es gibt zahlreiche Werke unter tausend Euro!

Nachhaltige Bilder setzen ein hohes Maß an Kreativität voraus. Vergleicht man Ihre einfühlsamen Zeichnungen wie die des Pianospielers mit denen der Todsünden und den anzüglichen, fast derben Darstellungen von Sex und Gier in einigen Bildern, stellt sich die Frage: Woher kommt diese Vielfalt?

Fast von alleine! Und eigentlich ist es ja auch genau das, was die Kunst ausmacht. Kreativität ist immer da. Mein Alltag, meine Umwelt und vor allem die Mitmenschen halten sie lebendig. Ich beobachte genau, ja, ich analysiere praktisch, beachte Details und gepaart mit dem wichtigsten Begleiter – der Fantasie – entsteht dann diese Bandbreite, die meine Arbeit vor allem für mich selbst interessant und schaffenswert macht.

MIKS Magazin EN 2 z2014

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