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Anmerkungen – Anekdoten

Hier finden Sie nun die ein oder andere Anmerkung, also Zitate und Anekdoten meinerseits, welche auch schon, hier und da, in meinen bisherigen Büchern versteckt, so abgedruckt, irgendwo auf Sie lauern würden.  

Die Natur ist in schier unerreichbarer Perfektion stets Architekt und Baumeister ihrer selbst – eben rein um ihrer selbst willen, welche im Grunde somit auch keines Publikums bedarf. Erst recht nicht UNS!

Es ist mehr als betrüblich, dass gerade jene, die wirklich was zu sagen haben, meist des Zuhörens überhaupt nicht mächtig sind.

Gerade die vermeintlich ganz hoch sensiblen halten es im Umgang mit anderen dann doch gerne mal allzu rustikal.

Kommendes Jahr werde ich tatsächlich schon sechzig Jahre alt. Meine erste, für mich einst erstmals tätig werdende Galerie und dessen Galeristin war sich damals mehr als sicher, dass ich keine 40 werden würde. Ich werde mit ihr, auf meinen 60ten, wohl nicht mehr anstoßen können. So oder so!

Jene Generation, die wirklich noch glaubte, dass früher alles besser war, sich stets jedem Neuem, jeder notwendigen Veränderung vehement entgegenstellte, geht jetzt wohl endlich mal in Rente. Aber vermutlich bin ich nur einer von vielen, welcher sich in dessen Fußstapfen verlaufen werden wird.

Ich habe in meinem Leben leider allzu viele Fehler gemacht; diese allerdings deutlich eher begangen hätten nicht nur ein deutliches Mehr an Spaß bedeutet, sondern ich hätte aus jenen auch noch weitaus mehr lernen können.

Im Grunde bleibt ein jeder, zu Lebzeiten, stets um sich selb kreisend – strenggenommen, allein rein mit sich selbst und seiner höchst persönlichen Perspektive auf die Welt beschäftigt. Dieser reine Individualismus endet jedoch natürlich mit dem Tod. Denn danach kommt nichts mehr!

Es scheint mir mehr als unbestritten, dass in jeder neuen Erkenntnis, vor allem hinsichtlich seiner selbst, auch immer ein gewisses Maß an Enttäuschung versteckt zu sein scheint.

Die sogenannte moderne Kunst von heute orientiert sich im Grunde doch nur noch an den öffentlich finanzierten Interessen der jeweiligen Kuratoren. Ansonsten interessiert dieser Murks doch keinen und lockt wirklich niemanden mehr in ein Museum, während Ausstellungen, selbst mit altflämischen Malereien, die Bude eingerannt werden.

Was mir stets an Selbstbewusstsein fehlte, scheinen andere dagegen schon mit ihrer Muttermilch aufgesogen zu haben. Was an mir, als stetiger Selbstzweifel nagte, befähigt andere gerade dazu sich mit einer kaum zu ertragenden Penetranz in den Mittelpunkt jeder Diskussion zu drängen.

Die Welt des Zeichnens in wenigen Stunden, Tagen oder Wochen erklärt und erlernen zu können ist völlig unsinnig. Es wäre so, als wolle man die Faszination des Vogelflugs anhand der Funktion eines Papierflugzeuges sich passend zurechtzufalten.

Heute ist ein jeder, der medial omnipräsent ist, auch gleich ein Multitalent. Man schreibt, man malt und musiziert – oder umgekehrt. Und obwohl stets vor der Kamera posieren müssend, führt man dennoch auch noch eine glückliche Vorzeige Ehe, kümmert sich liebevoll um den Nachwuchs, neben der heimlichen Geliebten – und dies alles zeitgleich, als wenn es kein Morgen gäbe.

Sich selbst als normal zu empfinden ist wohl verständlich, entspricht aber eben nur der eigenen individuellen Sichtweise und kann natürlich, unter Umständen, hinsichlich des Blickes anderer auf einen selbst, sowie auch den Ansprüchen einer Gesellschaft an sich, durchaus zuwider sein.

Immer dann, wenn eine neue Arbeit vollendet wird, steht man im Grunde wieder vor einem neuerlichen, leeren Nichts.

Ich habe es eigentlich nie sonderlich gemocht, wenn man mich gar allzu wohlwollend als „großes Talent“ beschrieb. Es klang halt für mich weniger wie ein Lob, sondern eher wie ein dezenter Hinweis darauf, dass man noch nicht das zeigt, was von einem zukünftig erwartet wird.

Für mich war nie von Wichtigkeit, wie imposant und bedeutend ein Werk ist, sondern immer nur, wie sehr es mich bewegt.

Im Grunde durchläuft man nur, Woche für Woche, Jahr für Jahr, die Banalitäten der Tage; stolpert sozusagen von einer Bedeutungslosigkeit in die Nächste und wundert sich dann doch immer wieder darüber wie wenig eigentlich bleibt, wieder einmal, von einem weiteren, verstrichenem Jahr.

Die These, dass Genie und Wahnsinn so nah beieinander liegen, nährt sich ganz sicher auch aus dem Umstand, dass das Verhältnis von Debilität und Apathie anscheinend Normalität ist.

Die bisherige Leistung der Menschheit bemisst sich am wenigsten an den antrainierbaren, körperlichen Fähigkeiten Einzelner – wie schnell z.B. jemand die 100 Meter läuft. Denn dann würden wir immer noch, mit Tierfellen bekleidet, auf die Jagd gehen müssen und die Erde wäre ganz sicher noch eine Scheibe.

Früher wurde gestickt, gestrickt, gehäkelt, getöpfert und vielleicht auch mal gebastelt. Heute wird aquarelliert und man malt in Acryl. Ersteres hatte zumindest noch einen praktischen Nutzen.

Allzu schlechte Katzen, Hunde und Pferdebilde, in Aquarell oder Acryl gemalt, im Sekundentakt gepostet, Hassprediger und Verschwörungstheoretiker, jed wede Realität verleugnend und ausreichend junge Frauen, die ihr Heil wohl allein darin sehen ihren noch ach so jungen Arsch für den Meistbietenden zu verkaufen, sind wesentlicher Kern aller Social Media Kanäle, auf die ich liebend gerne verzichten würde.

Vor allem in den letzten Jahren musste ich leider allzu oft vieles fast verschenken, nur um mich selbst nicht aufgeben zu müssen.

Ich habe schon so viele Enttäuschungen in meinem Leben wegstecken müssen, sodass ich glaubte, nichts kann mich mehr aus der Bahn werfen. Aber am Ende gibt immer wieder Neues, wo ich Tage lang an mir selber zweifle und mich frage – was habe ich falsch gemacht?

Man kann und muss nicht alles Wissen dieser Welt in sich vereinen; kann eben nicht mehr alle bedeutenden Bücher dieser Welt lesen und nicht mehr jede Oper oder Symphonie gehört haben. Neugier und Interesse, an dem für einen selber noch Unbekanntem, sollten aber auf ewig bleibende Begleiter sein.

Die große Redseligkeit, dass unumstößliche Selbstbewusstsein und die ewige Besserwisserei vieler löst sich oftmals in dem Moment in Nichts auf, wenn man sie beim Wort nimmt.

Ich habe schon so viel gemacht, dennoch habe ich stets das Gefühl, dass halbe Leben verschlafen zu haben.
Es gäbe noch so unendlich viel zu tun, sovieles was man noch probieren möchte, noch so viele Ideen. Vermutlich bräuchte ich aber dafür sogar noch ein zweites Leben. Das Zeichnen an sich ist so facettenreich, das habe ich selber viel zu lange unterschätzt.

Ein Leben lang sich stets selber treu bleiben zu können, vielleicht auch zu wollen, ist so gut wie unmöglich …

Die fiebernde Nervosität der frühen Jahre weicht zunehmend einer gewissen, wohltuenden Gelassenheit und der Gewissheit, dass man niemanden mehr etwas beweisen muss. Sogar sich selber nicht.

Ich werde vermutlich nicht so alt werden können, wie ich es eigentlich müsste.

Selbst diejenigen, welche knietief in der Scheisse stehen, können sich dennoch an all jenen erfreuen, denen das Wasser bis zum Halse reicht.

Das Problem der Kritik besteht nicht in ihrer selbst, sondern darin, dass diese allzu schnell in endlosen Vorwürfen endet.

Ich werde immer wieder gefragt, wie Schraffur geht. Ich kann diese Frage eigentlich nie ausreichend befriedigend beantworten. Denn diese Frage erübrigt sich im Grunde erst dann, wenn man die Form, das Sein im Allgemeinen, mit Verstand durchdrungen hat. Das könnte man auch Erfahrung nennen …

Viele erleben und durchleben ihre Welt nur in einer Art von Zentralperspektive. Ein zweiter Fluchtpunkt, natürlich im Grunde stets auch auf Augenhöhe mit dem ersten liegend, übersteigt dann doch deren begrenzte Sicht auf den eigenen, den einen Horizont. Ein dritter Fluchtpunkt, das Oben und Unten, wäre somit sogar eine Katastrophe.

Im Grunde war und bin ich, beispielsweise im Vergleich zu einem Rembrandt, einem Carraviagio oder Picasso, eher nur mäßig talentiert. Mir fiel nichts wie selbstverständlich zu, ich musste mir eben auch alles hart erarbeiten und war hierbei oft auch dem falschen Weg.