Satirisch, ironisch, kritisch

Satirisch, ironisch, kritischAusstellung mit Zeichungen von Noßmann und Weber

Westfälische Zeitung 20.10.2006

Unter dem Titel „Nicht mehr und nicht weniger“ sind vom kommenden Sonntag, 22.Oktober, an Werke von A. Paul Weber (1893 bis 1980) und Andreas Noßmann im Kornbrennereimuseum zu sehen. Satire, Ironie, Kritik: Diese drei Merkmale verbinden die Zeichner A. Paul Weber und Andreas Noßmann – zwei Künstler, die die Wirklichkeiten des vergangenen Jahrhunderts mit spitzer Feder auf Augenhöhe begleitet haben.

A. Paul Weber, geboren in Arnstadt/Thüringen, erlebte das Kaiserreich, erfuhr die Weimarer Republik und musste wie viele andere auch die dunkelsten Abschnitte deutscher Geschichte durchstehen. In den 30er Jahren bediente sich der Künstler als Ausdrucksform der Originalzeichnung und der Technik des Holzdruckes. Dieser wurde in den späteren Schaffensjahren von der Lithografie fast vollständig ersetzt. Punktgenau und zielsicher setzte er seine zeitkritischen Anmerkungen um, die nichts von ihrer Aktualität verloren haben.

Dem Altmeister der kritischen Grafik setzt der 1962 geborene Andreas Noßmann seine Sichtweise heutiger gesellschaftlicher Zusammenhänge entgegen. Er will Inhalte wie Wahrnehmungen, Beobachtungen und Absichten klar und pointiert „auf die spitze treiben“. Und die abgespitzte Bleistiftmine, sparsam auf das Wesentliche reduziert, ist sein Werkzeug, mit dem er seine Figuren bisweilen auch grotesk aussehen lässt. Ein Anflug von Spott ist beabsichtigt. Mit einer schier unglaublichen dynamischen Arbeitsweise bannt der Künstler seine Protagonisten aufs Papier.

Wie einst A. Paul Weber sieht auch Andreas Noßmann seine Aufgabe als freischaffender Künstler darin, die Dinge hinter den Fassaden zu erfassen und grafisch umzusetzen.

Die Ausstellung dauert bis zum 12. November und ist eine Kooperation zwischen dem Kulturamt der Stadt Telgte und der Galerie Marlies Beckmann in Rheine. Bei der Eröffnung am Sonntag um 11 Uhr gibt Ulrich Beckmann eine einführung. Andreas Noßmann ist anwesend. Der Maler und Leidermacher Johannes Eidt aus Osnabrück wird die Veranstaltung mit einigen Texten gesanglich begleiten.

Zwei große Zeichner

Westfälische Zeitung 24.10.2006

Satirisch, ironisch, kritischAusstellung mit Werken von Noßmann und Weber dauert bis zum 12. November
„Es geht in der bildenden Kunst darum, den richtigen Punkt zu finden – nicht mehr und nicht weniger“, erklärte Ulrich Beckmann bei der Eröffnung einer Ausstellung mit Zeichnungen von A. Paul Weber und Andreas Noßmann am Sonntag im Dachgeschoss des Kornbrennereimuseums. Daran, dass die beiden Künstler diese Suche perfekt beherrschen bzw. im Fall des längst verstorbenen Weber beherrscht haben, zweifelte am Sonntag keiner der zahlreichen Eröffnungsbesucher.

A. Paul Weber hatte ein sehr bewegtes Leben. Dementsprechend viel wusste Beckmann über den gesellschaftskritischen Zeichner zu berichten. Geboren kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende, erlebte er beide Kriege, musste sein Studium wegen einer umstrittenen veröffentlichten Zeichnung beenden und wurde schließlich ein sich selbst durchschlagender „Gebrauchsgrafiker“, der bis zu seinem Tod 1980 über 3000 verschiedene Lithographien produzierte und noch allerlei andere Kunstgegenstände hinterließ.

Weber ist genau wie Andreas Noßmann, der bei der Ausstellungseröffnung anwesend war, in dem Bereich der Satire und Karikatur einzuordnen. Während es von Weber nur wenige farbige Bilder gibt, setzt Noßmann zwar Farbe ein, geht damit aber sehr sparsam um. Auch Andreas Noßmann´s Zeichnungen sind meist kritisch angehaucht und tragen ihren Titel ins Bild integriert als Teil ihrer selbst. Der in Köln lebende Künstler hat auch Kataloge und Bücher mit Zeichnungen veröffentlicht und für verschiedene Theaterstücke überdimensionale Plakate gestaltet. „Er gehört zu den wirklich Großen auf dem Gebiet des Zeichnens“ lobte Beckmann.

Abgerundet wurde die Eröffnung der Ausstellung durch einige sehr passende Stücke des Osnabrücker Liedermachers Johannes Eidt, die viel Anlass zum Schmunzeln boten.

Die Galeristin Marlies Beckmann aus Rheine hat die Bilder in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturbüro nach Telgte geholt. Die Ausstellung bleibt bis zum 12. November in der Kornbrennerei zu sehen. Die Öffnungszeiten: freitags von 15 bis 18 Uhr, an Wochenenden sowie an Allerheiligen vom 10.30 bis 18 Uhr.

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