Düster, morbide – aber nie ohne Humor

Düster, morbide - aber nie ohne HumorBrühl/Südkreis. Irgendwo taucht bei ihm fast immer eine Fratze auf. Hämisch grinsend lugt sie irgendwo aus dem Halbdunkel hervor. Vom Betrachter auf dem ersten Blick kaum wahrnehmbar. Hat der sie aber erst einmal entdeckt, lässt sie ihn nicht mehr los. Schemenhaft, unwirklich, gnadenlos. So, wie in dem Zyklus „Die schwarzen Zeichnungen“.
Von Martin Schirmer

Die filigranen Zeichnungen stammen aus der Hand des genialen Künstlers Andreas Noßmann. Der in Hilden geborene und im Südkreis aufgewachsene Künstler ist ein Meister der satirischen Zeichnungen.

Düster, morbide – aber nie ohne Humor nimmt der heute 45-Jährige die scheinbar heile Spießerwelt ebenso wie die selbstgefällige Obrigkeit mit feinem Strich gehörig aufs Korn. Er spielt dabei mit den Urängsten seiner Protagonisten an: Den Wunsch nach ewiger Jugend und immer währender Potenz greift Noßmann immer wieder gern auf.

Andreas Noßmann taucht dabei gern ein in die Abgründe der menschlichen Seele. Der Künstler wehrt sich auf seine Weise gegen selbsternannte Moralapostel. Die kommen bei ihm nämlich ganz schlecht weg. Wie besessen zeichnete Andreas Noßmann in früheren Jahren. Nächtelang. Von diesem enormen Tempo hat er sich inzwischen ein wenig verabschiedet. „Ich bin etwas ruhiger geworden“, erzählt er.

Andreas Noßmann hat den Südkreis übrigens vor einigen Jahren verlassen, wohnt inzwischen in Brühl bei Köln. „2001 bin ich weggezogen.“
Noßmann arbeitete einige Jahre als Chefgrafiker einer kanadischen Computerspiel-Firma und war in dieser Funktion auch eine Zeitlang in Übersee tätig.
„Eine wichtige Erfahrung“, sagt Andreas Noßmann. Allerdings seien mit zunehmender Dauer unternehmenspolitische Entscheidungen wichtiger als künstlerische Gestaltung geworden.

Diese Politik wollte der 45-Jährige nicht mittragen, zog die Konsequenz und hängte festes Gehalt und garantierten Urlaub an den Nagel. „Seit drei Jahren arbeite ich wieder frei.“
Inzwischen zeichnet Andreas Noßmann ausschließlich mit Kugelschreiber. Seine Bilder sind zudem großformatiger geworden. „50 mal 70.“ Stilistisch habe er sich nicht großartig verändert. Da ist er sich treu geblieben.

Nach wie vor wird man in seinen Werken zeitgenössische Gegenstände nicht wiederfinden. Darauf verzichtet der Künstler ganz bewusst. „Schließlich haben sich die Themen, über die ich zeichne, seit Jahrhunderten nicht verändert. Liebe, Lust und Eifersucht gab es schließlich schon immer.“

Den Kontakt zum Südkreis hat Andreas Noßmann trotz der räumlichen Distanz nicht verloren. Regelmäßig besucht Andreas Noßmann die Mutter in Gevelsberg. Ein festes Standbein hat er sich auf Sylt geschaffen. Viele seiner genialen Zeichnungen haben in der örtlichen „Sansibar“ einen festen Platz.

Aber er vergisst auch seine örtlichen Ursprünge nicht, stellt immer wieder in der Region aus. So übrigens im kommenden Herbst in der Gevelsberger Galerie Hühn. „Der genauer Termin steht jedoch nocht nicht hundertprozentig fest.“

Schreibe einen Kommentar