Herausforderung für den Betrachter

wesselingAusstellung – Werke von Andreas Noßmann, Ivana Pitroff und Ziggy Szalla
von Hanna Styrie

Wesseling. Vorsicht, in dieser Ausstellung wird keine leichte Kost geboten. Andreas Noßmann, Ivana Pitroff und Ziggy Szalla blicken vielmehr hinter die Fassade bürgerlicher Wohlanständigkeit. und scheuen nicht, auf Teils drastische Weise die Abgründe menschlicher Existenz zu thematisieren. „Conditio Humana“ ist der Titel der umfangreichen Schau in der Städtischen Galerie Schwingeler Hof.

Nahtlos schließt sie an die Ausstellung „Rätsel Mensch“ von 2014 an, deren Initiator der Brühler Künstler Ekkehard Drefke war. Drefke ist im vergangenen Jahr auf tragische Weise ums Leben gekommen, doch eine Absage des lange geplanten Projekts kam für seine Mitstreiter nicht in Frage. Sie widmen sich nun erneut der Darstellung menschlicher Charakterzüge und Situationen und sparen dabei auch die dunklen Seiten nicht aus. Das tun sie schonungslos ehrlich, satirisch überspitzt, aber auch mit Humor und einem fast liebevollen Verständnis für große und kleine Schwächen.

Drefke ist mit zwei seiner letzten Arbeiten präsent, darunter eine bewegende Darstellung des Shakespeare´schen Dramenhelden King Lear, der seine tote Tochter in den Armen hält, und mit einem Portrait, das seine Brühler Künstlerfreundin Ziggy Szalla von ihm angefertigt hat. Deren Werk ist zwischen Groteske und Gesellschaftskritik angesiedelt und driftet gelegentlich ins Dämonische ab.

Unbehagliche Gefühle löst „Die Blutmagd“ aus; ziemlich bedrohlich mutet die Entfremdung eines Paares an. Greift da vielleicht gleich einer nach dem Messer, das im Brot steckt, um der Beziehung ein blutiges Ende zu bereiten? Mehr oder weniger große Dramen deuten sich auch auf weiteren Gemälden an, die dem Betrachter vielerlei Vermutungen auslösen. Nur schwer ist die zeichnerische Wucht auszuhalten, die von Andreas Noßmanns Arbeiten ausgeht. Er nimmt Laster und Verfehlungen ebenfalls ungeschönt aufs Korn und entwirft mit virtuoser Strichführung detailreiche, düstere Szenarien, die in einen verstörenden Kosmos von Leidenschaft, Rausch und Begierde führen. Lüsterne Männer und entblößte Frauen drängen sich auf Bildern wie „Die kleine Schlampe“ und „Die große Puppenspielerin“. Ruhepunkte stellen die großformatigen Indianerportraits dar, die Noßmann mit Bleistift, Kaffee und Pastell gezeichnet hat.

Die jüngste im Bunde ist Ivana Pitroff, die gern Menschen in alltäglichen Situationen im Bild festhält und ihre Darstellungen häufig auch Zynismus würzt. Die ganz persönlichen Fantasien lebt sie in einem Selbstportrait aus, das sie mit männliche Attributen zeigt. Es geht in dieser Ausstellung „alles andere als kuschelig“ zu, wie Irina Wistoff in ihrer Einführung treffend feststellte. Dafür aber gibt es viele Denkanstöße und vielleicht sogar Anregung, die eigene Befindlichkeit einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie, Schwingeler Weg 33, läuft bis zum 29. Oktober, geöffnet istr Samstags und Sonntags von 15 bis 18 Uhr.

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