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Ein Zeichner zielt auf die „böse Welt“

Als Andreas Noßmann alte Illustrationen neu interpretierte – Ein Zeichner zielt auf die „böse Welt“ – Eine Ausstellung in der Galerie Schütte

Hattingen. Alte Illustrationsseiten aus dem Ersten Weltkrieg, damals veröffentlicht, um die Kriegsmoral an der Front und in der „Heimat“ zu stärken, inspirierten den Hattinger Künstler Andreas Noßmann zu seinen „Heldengeschichten“. Die Galerie Schütte an der Bornstraße 15 zeigt die Bilder bis Ende des Monats. Eindrucksvolle, teils großformatige Blätter, die man lesen lernen muss.

Andreas Noßmann ist eigentlich ein Zeichner, doch haben seine Bilder etwas Malerisches, weil er sie mit Aquarellfarbe anlegt und mit Farbstiften coloriert. Erdig‑grau bleibt allerdings seine Grundstimmung. Mit einigen auffälligen Farbkontrasten schafft er reizvolle Effekte.

Wirkung erzielt Noßmann vor allem mit seinem Talent, historische und gesellschaftspolitische Themen mit satirischer und spitzer Feder darzustellen oder aufzuspießen. Dabei nutzt er alle Möglichkeiten der Überzeichnung, arbeitet mit Symbolen und Allegorien, verzerrt und setzt erotische Signale ein, um bestimmte Situationen, Begegnungen und moralische Haltungen in ihrer Zwiespältigkeit und Absurdität anzuprangern und zu glossieren.

In den Bildern dieser Serie geht er bis an die Grenze des Erträglichen. „Das Thema bleibt es“, sagt der Künstler, der in seinen anderen Arbeiten – augenblicklich beschäftigt er sich mit der Zirkus‑Welt – rundum und im Speziellen darauf zielt, Betroffenheit zu schaffen, aber doch witzig und karikierend zu bleiben.

Der Zeichenstrich von Andreas Noßmann ist dünn, doch mit Meisterschaft gelingen ihm menschliche Charakter‑Schraffuren vom Grauenhaften zum Leidenden. Er arbeitet in Strukturen, die skurriles und groteskes Empfinden ebenso zulassen wie eine fast religiöse, sexuelle Offenbarung.

Die Menschen mit all ihren Abartigkeiten, Perversitäten und Unmenschlichkeiten stellt Noßmann im martialischen Gestrüpp gesellschaftlicher Verwirrspiele dar – konkret oder abstrahiert, abschreckend und zugleich nachdenklich stimmend.

Andreas Noßmann wurde 1962 in Hilden geboren. Er studierte in Wuppertal Freie Grafik und Malerei und stellt seit 1987 seine Arbeiten und Bücher in Einzel‑ und Gruppenausstellungen aus. In diesem Jahr gehört er zu den Künstlern der neuen Galerie in der Essener Zeche Carl.

(NRZ - 7.12.1990)