






Es war einmal ein Hase, so schnell, dass selbst der Wind ihm neidisch nachpfiff. Und eine Schildkröte, deren Tempo man eher in Jahreszeiten als in Sekunden messen konnte. Als der Hase eines Tages über ihre Langsamkeit spottete, forderte sie ihn zum Wettlauf heraus – ein Vorschlag, der ihn so sehr amüsierte, dass er vor Lachen fast schon das Ziel verpasste.
Der Startschuss fiel, der Hase schoss davon, und die Schildkröte begann ihr gemächliches, aber unbeirrbares Schreiten. Irgendwann, überzeugt vom sicheren Sieg, legte der Hase sich ins Gras, schloss die Augen – und träumte vom Applaus. Als er erwachte, war die Sonne schon tief, und am Ziel wartete die Schildkröte – nicht triumphierend, sondern milde lächelnd, als wollte sie sagen: „Eile mit Weile, mein Freund.“
Die Fabel ist älter als jede Stoppuhr – sie stammt aus der Feder des Griechen Äsop, später von La Fontaine verfeinert. Ihr Kern ist zeitlos: Selbstüberschätzung schläft gern ein, während Beharrlichkeit einfach weiterläuft.

Federzeichnung, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5488
Format: 250 x 350 mm
Juli 2026
