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Kurt Tucholsky

Er war ein streitbarer Geist mit äußerst spitzer Feder, ein Verfechter der noch jungen Demokratie, Sozialist, Pazifist und Antimilitarist. Heute gilt er als einer der bedeutendsten und scharfsinnigsten Publizisten der Weimarer Republik. Doch wie viele, die einen neuen dunklen Schatten aufziehen sahen, welcher Deutschland erneut ins Verderben stürzen würde, wurde auch er am Ende nicht gehört.
Es war nicht die Zeit der wachen Geister, der Mahner, der Kritiker am kruden Zeitgeist, welcher damals immer noch bestimmt wurde von enttäuschten Monarchisten, sich entehrt fühlenden Militaristen einer Gottgleichen Offizierskaste und sich zunehmend brutal durchsetzenden rechten Straßenrandalierern. Auf Grund seiner nach allen Seiten austeilenden, vor allem in der Zeitschrift „Die Weltbühne“ veröffentlichten scharfen Kritiken an Militär, aber auch gegen zahlreiche Politiker der Weimarer Republik, sah sich Tucholsky zunehmend unter Druck, ja eingeschränkt in seiner publizistischen Tätigkeit durch zunehmende gerichtliche Auseinandersetzungen. Er verließ Deutschland 1929 in Richtung Schweden und konstatierte in einem Brief enttäuscht:

Daß unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Und daher: Werde ich erst amal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.

An Arnold Zweig schrieb er in einem seiner letzten Briefe 1935, schon fast resignierend:

Das ist bitter, zu erkennen. Ich weiß es seit 1929 – da habe ich eine Vortragsreise gemacht und „unsere Leute“ von Angesicht zu Angesicht gesehen, vor dem Podium, Gegner und Anhänger, und da habe ich es begriffen, und von da an bin ich immer stiller geworden. Mein Leben ist mir zu kostbar, mich unter einen Apfelbaum zu stellen und ihn zu bitten, Birnen zu produzieren. Ich nicht mehr. Ich habe mit diesem Land, dessen Sprache ich so wenig wie möglich spreche, nichts mehr zu schaffen. Möge es verrecken – möge es Rußland erobern – ich bin damit fertig.

Das Kurt Tucholsky im schwedischen Exil aus Resignation Selbstmord beging, wird heute angezweifelt. Man vermutet eher eine „zufällige“ Überdosis an Schlaftabletten, ohne die er schon seit Jahren angeblich nicht mehr einschlafen konnte … Allerdings hatte er selbst schon 1923, in seiner Satire Requiem, folgenden Grabspruch für sich selber vorgeschlagen:

Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze.
Gute Nacht

Federzeichnung, Farbstift, Aquarell
Dvz. 1229
Format: 230 x 200 mm
30.09.2019

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