

Der Zeichner und Grafiker Andreas Noßmann in Menden und Worpswede
Von Torsten Berninghaus Ennepetal (WP) – Menschen, denen der Wahnsinn ins Gesicht geschrieben steht, mit bizarren Fratzen, teils hinter Masken verborgen, gruppieren sich in seinen Zeichnungen zu orgiastischen Szenen. Morbide Strukturen, Tod und Leidenschaft – das sind die Themen des Gevelsberger Künstlers Andreas Noßmann. Er setzt sich mit historischen Gegensätzen auseinander: Mozart als musikalisches Genie, das für die Vollkommenheit steht, und Paganini, der als alter, gebrechlicher Mann Massen in Ekstase versetzte. Diese Widersprüche faszinieren den Künstler.
Noßmann arbeitet mit Feder, Tusche und Aquarell. Musik inspiriert ihn und beflügelt sein Schaffen. Seine Zyklen „Variationen zu Goya“ und „Zirkus“ zeigen groteske, gesellschaftskritische Szenen. Goya, dessen „Capriccios“ plötzliche Einfälle und Launen darstellen, dient ihm als thematische Vorlage, die er in die Gegenwart überträgt.
In seinen Zirkus‑Blättern tauchen Ratten, Clowns, Artisten und Zirkusdirektoren auf. Humor und Abgründigkeit wechseln sich ab, groteske Details wie Nägel in Fahrradspeichen oder überzeichnete Körperformen bestimmen die Bildwelt.
Andreas Noßmann, geboren 1962 in Hilden, studierte Freie Grafik und Malerei und arbeitet seit 1982 als freischaffender Künstler. Seine Werke sind in Einzel‑ und Gruppenausstellungen zu sehen, unter anderem in Menden und Worpswede.
(Westfalenpost – 11.04.1990)
