50321 Brühl - Von Wied Str. 1
02232 - 206 79 09
a@nossmann.com

Muriel – Farm der Tiere

Muriel ist eines der wenigen Tiere auf George Orwells Farm der Tiere, neben Benjamin, dem Esel, das lesen kann. Das allein macht sie zu einer Art intellektueller Außenseiterin: nicht revolutionär genug, um die Schweine herauszufordern, aber zu aufmerksam, um deren Manipulationen nicht zu bemerken. Sie ist diejenige, die die verblassenden Gebote an der Scheunenwand entziffert, die Veränderungen erkennt, die anderen darauf hinweist – und doch bleibt sie in einer merkwürdigen Mischung aus Gutmütigkeit und Ohnmacht stecken.

Gerade darin liegt ihre Tragik: Muriel sieht, was geschieht, aber sie kann es nicht verhindern. Sie ist wie jemand, der im Theater sitzt, die Pointe kommen sieht und trotzdem nicht eingreifen darf. Während die Schweine die Regeln umschreiben, steht Muriel daneben und liest die neue Version laut vor – ein Akt, der gleichzeitig mutig und herzzerreißend hilflos ist.

Und doch hat Muriel Humor, wenn auch unfreiwillig. Ihre Rolle ist oft die der „vernünftigen Stimme“, die inmitten des Chaos nüchtern feststellt: „Das stand da vorher aber anders.“ In einer Welt, in der Schweine plötzlich auf zwei Beinen laufen und Hunde wie Geheimagenten auftreten, wirkt Muriels nüchterne Klarheit fast komisch – wie eine Ziege, die mit hochgezogener Augenbraue sagt: „Nun ja… das ist seltsam.“

Muriel verkörpert die vielen Menschen, die in politischen Umbrüchen zwar erkennen, dass etwas schief läuft, aber nicht die Macht oder das Temperament haben, es aufzuhalten. Sie ist die Stimme der Vernunft, ähnlich wie einst Cassandra, die ihrem Vater Priamos den Untergang Trojas voraussagte – eine Stimme, die niemand hören wollte. Eine Figur, die zeigt, wie gefährlich es ist, wenn Intelligenz nicht mit Einfluss verbunden ist.

Bleistift, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5496
Format: 450 x 700 mm
September 2026

[Verse 1]
Muriel the goat with a clever grin,
She read the rules the pigs wrote in.
While others slept, she saw the change,
The words grew crooked, oh how strange.

[Chorus]
Oh Muriel, clever goat,
You read the lines they wrote.
You saw the truth they hid away,
But couldn’t change the day.

[Verse 2]
She puffed her smoke and shook her head,
“The wall once said what freedom meant,” she said.
Now pigs wear boots and dogs patrol,
And Muriel laughs with her weary soul.

[Chorus]
Oh Muriel, clever goat,
You read the lines they wrote.
You saw the truth they hid away,
But couldn’t change the day.

[Bridge]
She’s got eyes like amber glass,
Watching history come to pass.
She hums a tune, a cheeky bleat,
While reading lies beneath her feet.

[Final Chorus]
Oh Muriel, clever goat,
You kept the farm afloat.
You saw the truth they brushed aside,
And smiled with knowing pride.

[Outro]
“Ah well,” she said, “that’s how it goes—
Even goats can’t stop the prose.”