Der teuflische Geiger ist erschöpft

WZ
Paganini im Bild
Der teuflische Geiger ist erschöpft.

paganiniPaganini, der „teuflische Geiger“ – diesem Thema widmet sich Andreas Noßmann. Seine Bilder, Zeichnungen und Aquarelle lassen ahnen, was hinter der brüchigen Haut des genialen Musikers sich verbergen mag. Die Galerie Blaeser zeigt die Bildserie Caprichos zu Paganini bis zum 1. September in der Bilker Straße 5. „Paganini und sein spürbarer Erfolg “ zeigt den gealterten Geiger völlig erschöpft nach einem Konzert.

Von Klaus P. Schwab

Der Kopf und seine ausgestreckte Hand, in der er den Bogen verkrampft hält, sind hervorgehoben, die Schultern sind angedeutet, der Körper verschwindet in wenigen Linien. Das Instrument hält der Virtuose in der rechten Hand und wehrt die Zurufe aus dem Publikum ab. Zwei Hände winken ihm zu, ein Arm greift dem Musiker in die Tasche – ein bezahlter Erfolg. Mit leeren Augen schaut Paganini hinab in sein Publikum. Er bleibt zurückgezogen in der Musik, die ihn fesselt und nicht losläßt.

„Die Heiligkeit des Amuletts“ nennt Noßmann drei andere Bilder seiner Paganini-Serie. Der Musiker im Profil, die wallenden Haare und das knochige Gesicht sind der historischen Figur nachgebildet; die Violine hängt an einer Kette angebunden ihm um den Hals. Das Amulett soll böse Geister abwehren – oder ist es hier nicht eher zum Bild eines auf Gedeih und Verderb an sein Musikinstrument ausgelieferten Künstlers geworden? Im dritten Bild dieses Titels schnürt die Schnur den Hals und preßt das Leben aus dem Körper des Musikers. Schattenseiten und dunkle Ahnungen werden in den Bildern deutlich, die hinter der Großartigkeit und der Genialität des Geigers verborgen liegen.

Noßmann zeichnet dies sicherlich nicht nur aus historischem Interesse. Er greift solche Themen auf, weil der schöne Schein des Ruhmes und des gleißenden Scheinwerferlichts von ihm auch mit seinen dunklen Seiten erfahren wird. Zeichnerisch wirken die Bilder am eindrucksvollsten, wenn Noßmann sich auf seinen faszinierenden Federstrich konzentriert und wenige aquarellierte Flächen benützt. Die Figuren wirken zerbrechlich und geben dem hintergründigen Thema eine zusätzlichen Reiz.

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