Entzauberte Kriegshelden

Entzauberte Kriegshelden (Noßmann)Andreas Noßmann auf der Buchmesse

Westfalenpost – Von Ursula Heyn-Benzin Frankfurt. (WP)

Die schönen Künste von Jux-Postkarten und Teddybärkalendern bis zu Garfield-Postern, von der täuschend echten van Goqh Kopie bis zur Druckgraphik aus aIler Herren Länder haben die Halle 1 auf der Frankfurter Buchmesse fest in der Hand. Mühsam lächelnd tuschen anmutige Japanerinnen, Meisterinnen der Kalligraphie, dem Besucher seinen Namen in Nippons Schriftzeichen auf handgeschöpftes Bütten. Japan, das Schwerpunktland der 42. Buchmesse, das Land der aufgehenden Sonne, ist angesichts der deutschen Vereinigung in den Schatten geraten.

Viel Licht fällt auf eines der größten Talente der westdeutschen Kunstszene, den 28jährigen in Ennepetal lebenden Zeichner und Grafiker Andreas Noßmann. Am Stand des Wittener Westerweide-Verlages steht der umwerfend sympathische Künstler, der in Wuppertal Freie Grafik, Malerei und Komunikationsdesign studierte, und wird in tiefschürfende Gespräche über seine engagierte Kunst, die er in preiswerten Büchern unter die Leute bringt, die sich kein Original von ihm leisten können, verwickelt. „Synkopen“ hieß das erste. Es folgten „Zeichnungen“ und „Variationen zu Goya.“ Pünktlich zur Buchmesse, sind die „Heldengeschichten“ erschienen.

Da blättert ein junger Deutscher in den Dokumenten der Geschichte. Sie inspirieren ihn zu ähnlich erschütternden Blättern wie Goya sie in den „Desastres“ der Nachwelt hinterließ. Noßmanns Inspiratoren sind die Essensträger und Zapfenstreichbläser, Fahnenschwinger, Invaliden und Veteranen, Zaungäste und Hungerleider. Oft greift der Linkshänder zum Kunstgriff der Collage. Oder er übermalt alte Kriegsplakate, die dann wieder merkwürdig aktuell erscheinen.

Kugelschreiber, Farbstift.: Aquarell und Collage mischt Andreas Noßmann zu einem“ Ausdrucksmittel für meisterhafte Blätter. Daß man ihn mit Goya vergleicht, ehrt ihn. Seine Bücher sind späte Huldigungen an den Spanier, der ein Stammvater der modernen Graphik ist.

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