Skandal in Essen

Das Plakat für die "Lustige Witwe"Werbung oder Provokation ? Das Plakat für die „Lustige Witwe“ ist da!

Mit einer besonderen Operetteninszenierung will sich das Essener Musiktheater aus dem alten Jahr verabschieden: Am Sonntag, 10. Dezember, hat im Aalto-Theater der Operetten Klassiker „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar in der Inszenierung von Günter Roth Premiere. Die Aufführung, längst bis Ende der Spielzeit ausgebucht, wird mit einem Plakat angekündigt, das einiges Aufsehen erregt. Der, in Velbert lebende Künstler Andreas Noßmann, der bereits den Entwurf für das Plakat „Orpheus in der Unterwelt“ für das Essener Theater machte, hat auch dieses Plakat entworfen.

„Ich habe mich dabei ganz strikt an das Libretto als Vorlage gehalten, in der die manchmal sehr deftige Geschichte von der lustigen Witwe erzählt wird.“ Besonderer Gag: Weil das Theater wegen der besonders erotischen Darstellung nicht nur Zustimmung zu dem Plakat erwartet, liefert das Theater denjenigen, die das Plakat erwerben, auch gleich einen schwarzen Aufkleber mit dem Aufdruck „Zensur“ mit. Andreas Büchel, Stellvertreter von Intendant Professor Manfred‘ Schnabel: „Den Aufkleber kann jeder dorthin machen, wo er ihn haben möchte.“

Erste Vorwürfe, das Plakat sei gar obszön, weisen sowohl Andreas Büchel als auch der Künstler energisch zurück. Er habe mit Ironie und Satire gearbeitet, sagt Noßmann. Das Plakat sei jedenfalls nicht schamverletzend: „Wenn man als Künstler verletzend sein wolle könne man das auf andere, Weise tun.“ Obszön sei höchstens der „Balken“, der auf was aufmerksam mache, was gar nicht da sei. Büchel bestätigt zwar d provozierenden Charakter der. Plakates, meint aber: „Abbildung ist Pornographie, Darstellung ist Kunst“. Und dies sei künstlerische Darstellung.
wbg

WAZ, 22.12.1990

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