Hinter der Ironie scharfer Ernst

Andreas Noßmanns „Sammelsurium“
Westfalenpost – Von Ursula Heyn-Benzin

Hinter der Ironie scharfer ErnstEnnepetal. Als Virtuose im Zaubergarten der Grafik hat sich der in Ennepetal lebende und arbeitende Künstler Andreas Noßmann inzwischen international einen Namen gemacht. Sein großes Vorbild ist der Spanier Francisco Goya. Fast zwei Jahrhunderte später gibt Andreas Noßmann mit dem Titel „Desastres“ manchen seiner Blätter gleiche Titel wie der scharfsichtige Spanier. Die Welt ist grausam und unheimlich wie eh und je. Der Künstler kann am Zustand des Planeten herzlich wenig ändern, aber er kann seinen Zeitgenossen einen Spiegel vorhalten, wenn sie seine Kunst betrachten und ihnen mit präzisem Strich vor Augen führen: „Seht, das habt ihr gemacht. Rettet den Rest.“

Von den menschlichen Abgründen dieser Welt berichtet Andreas Noßmanns neuestes Buch. Es ist das fünfte Buch des immens produktiven Künstlers. Unter dem Titel „Sammelsurium“ ist es gerade im Westerweide Verlag erschienen. (35 DM, als Vorzugsexemplar mit signierter Grafik 140 DM) Fast scheint es, als halte der Künstler schon Rückschau auf das, was er bienenfleißig und voller Ideen in den letzten Jahren vom Theaterplakat bis zur übermalten Fotomontage geschaffen hat. „Zeichnen ist für mich keine Berufung, sondern die Erkenntnis, daß mir malen viel zu lästig ist“, bekennt Andreas Noßmann in dem sorgfältig gestalteten Kunstband, der außer den Bildtiteln wenig Text enthält.

Noßmanns Zeichnungen und Radierungen sprechen ihre eigene Sprache. Dolmetscher braucht dieser Künstler nicht, um ein internationales Publikum zu erreichen. Hinter dem Witz und der Ironie von Noßmanns Radierungen steckt scharfer Ernst. Der Künstler zweifelt am Verstand der Menschheit. So ganz verzweifelt scheint er noch nicht an ihr zu sein.

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