Ein Zeichner adelt den Schuh zum Kunstwerk

Faszinierende Ausstellung: Andreas Noßmann in der „Stubengalerie“ an der Abzucht
Goslar.

Ein Zeichner adelt den Schuh zum KunstwerkEin Feuerwerk der Phantasie, der Anekdoten und des Witzes brennt Andreas Noßmann rund um den Schuh ab. Der brillante Zeichner schenkt unseren Fußbekleidungen, die er in unwahrscheinlich vielen Varianten aufmarschieren läßt, künstlerisches Eigenleben. Geschaffen hat er die Serie eigens für die Stubengalerie an der Abzucht. „Für uns eine Ehre“, sagte Galeristin Gudrun Tiedt bei der Ausstellungseröffnung. Im Vorjahr stellte Noßmann Zeichnungen zum Thema „Jazz“ in der Galerie vor.
Der 33jährige Künstler, der zu Recht die Leiter des Erfolgs rasch emporklimmt, ließ sich das Thema „Schuhhof“ nicht entgehen. In einen Schuh mit festem Hacken und Schnabelspitze packt er die Gebäude von Goslars „guter Stube“.
Ein Rundgang durch die Stubengalerie wird zur Entdeckungsreise, wecken doch Noßmanns bizarre und phantastische Arbeiten Assoziationen im Betrachter – und das nicht nur an der Oberfläche, denn der Künstler spiegelt in ungewöhnlicher Form Nachdenkenswertes wider.
Seine „phantastische Schuhparade“, wie die Kunsthistorikerin Dr. Elfie Krajewski in ihrer feinsinnigen und humorvollen Einführung sagte, nennt Noßmann selbst „im Prinzip Stilleben“. Doch welche Variationsbreite. Ein Blatt titelt er „Sie-bricht-sich-den-Hals-Schuh“, beim Papageno-Schuh wächst sich die Schnabelspitze zur Flöte aus, beim Holländerschuh ziert ein Windmühlenrad wie eine Schleife den kräftigen „Treter“. Für seine Weltsicht steht der mit Schellen besetzte Narrenschuh des Eulenspiegels, den Dr. Krajewski in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen rückte.
Andreas Noßmann hat unter anderem Buchillustration studiert, aber bisher kein Buch illustriert. Das hätte ihn zwar gereizt, doch so kann er sein Talent zum Erzählerischen freier entfalten. Angesicht seiner Zeichnungen und Lithografien wundert es niemanden, daß er eine Ausstellung auch Grimms Märchen gewidmet hat.
Dr. Krajewski nannte den Künstler einen „Grafiker par excellence“, bei dem sich Verbindungen zu Goya aufdrängen. Das wird besonders in seinen Menschenstudien deutlich. Farbe setzt er sparsam und zugleich treffsicher ein.
Stubengaleristin Gudrun Tiedt hat eine glückliche Hand. Die Abfolge von Francoise Deberdt mit ihren aus der Farbe lebenden phantasievollen Bildern hin zu Andreas Noßmann, dem Meister des Zeichenstiftes, ist ein spannungsvolles Erlebnis. Auch diese neue Ausstellung wird viele Freunde finden.

UM

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