Noßmanns Gruselkabintett der menschlichen Untiefen

Von Andreas Thiemann
Ennepetal.

Noßmanns Gruselkabintett der menschlichen UntiefenEr schaut in Abgründe und lotet menschliche Untiefen aus. Er blickt hinter die Fassaden und demaskiert die Maskierten: Andreas Noßmann, hintersinniger Künstler aus Ennepetal, hat wieder einmal zugeschlagen.
„Die Schwarzen Zeichnungen“ heißt ein neuer Bildband, in dem der 33jährige Komödiantisches mit Makabrem mischt. Im Halblicht läßt er seine Figuren auftauchen, in der Unterwelt sind viele von ihnen beheimatet. Ein gestrauchelter Narr wird von seinem Publikum verspottet. Eine Hellseherin versetzt ihre Kunden in hellste Aufregung. Der Magier zaubert im Zwielicht ein Kaninchen aus dem Zylinder. Nicht wirklich bösartig sind die Menschen und Harlekine, die Andreas Noßmann vorstellt, von guten Charakteren kann allerdings auch nicht die Rede sein. Mit feinen, vieltausendfachen Strichen entwirft der Zeichner ein Gruselkabinett der schattenhaften Wirklichkeit. Alles ist so greifbar und doch so fern, hat es den Anschein. Kobolde wuseln umher, stechen und spießen die Menschen mit ihren Narrenkappen. Arglistige Blicke huschen über die Gesichter, Hinterhalte lauern allerorten. Menschgewordene Tiere geistern durch die Räume, die von fahlen Lichtkegeln durchschnitten werden und nur sehr ausschnitthafte Einblicke in oftmals mulmige Situationen gewähren.
Pralles Menschenleben wird von teufel-getriebenen Rächerinnen bedroht und romantische Liebesszenen verkommen zu gewöhnlichstem Triebverhalten.
Abstoßend und anziehend ist diese Noßmann-Welt gleichermaßen. Das Dunkel-Geheimnisvolle macht den Betrachter neugierig. Er kriecht förmlich in die Zeichnungen hinein, sucht nach weiteren Details, die er zumeist dann auch findet. So entfaltet sich in jedem einzelnen Bild eine eigene Welt voller Atmosphäre und Doppeldeutigkeit.
Die technische Zeichenfertigkeit des Ennepetalers ist schon längst über alle Zweifel erhaben. Noßmann hat einen bestechenden Stil, der es ihm erlaubt, nuancenreich den Inhalt zu gestalten. Seine Zeichnungen sind großartige Kunstwerke.

Andreas Noßmann: Die Schwarzen Zeichnungen
Westerweide Verlag ISBN 3-928003-13-5

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