Magier des Zeichenstiftes

Magier des ZeichenstiftesAusstellung mit Werken des außergewöhnlichen Künstlers Andreas Noßmann
Bocholt. Als Andreas Noßmann im Februar 1996 das erste Mal in Bocholt ausstellte, war der Besucherandrang riesengroß. „Die Vernissage begann um 11 Uhr, um 12 Uhr haben wir die Tür abgeschlossen. Die Garderobenständer drohten zusammenzubrechen. So voll war es“, erinnert sich Kunsthändler Hermann Göring.

Noßmann war damals der erste Künstler, der im neuen Bocholter Kunsthaus seine Werke präsentierte. Knapp 14 Jahre später stellt Noßmann wieder in Bocholt aus. Vom 9. bis 30. Januar sind Werke des mittlerweile international anerkannten Künstlers, der oft als „Magier des Zeichenstiftes“ betitelt wird, in der Galerie No. 23 zu sehen.

Hermann Göring, in seinem früheren Beruf Verkaufsleiter in der Textilbranche, erkannte das außergewöhnliche Talent von Andreas Noßmann schon früh. Ende der 80er Jahre sah er bei einer Ausstellung in Gevelsberg Bilder des 1962 in Hilden geborenen Künstlers. „Bedingt durch meinen Beruf hatte ich den Blick für Farben und Schönheit. Und ich wusste, was verkäuflich ist“, berichtet der heute 70-jährige Bocholter. Er überredete Noßmann, ihm einige Exemplare mitzugeben – in der Absicht, diese in seinem Bekanntenkreis an den Mann zu bringen. „Noßmann vertraute mir und in der Tat habe ich die Bilder sofort verkaufen können“, erinnert sich Göring.

Es war der Beginn einer Geschäftsbeziehung, die darin gipfelte, dass Göring seinen Job aufgab und zum „Verkaufsrepräsentanten“ von Noßmann wurde. Seitdem verkauft er nicht nur dessen Bilder, sondern bereitet auch die vielen Ausstellungen vor. Arbeiten von Noßmann wurden bereits auf internationalen Kunstmessen in London, Paris, Madrid oder New York gezeigt.

In Bocholt werden im Januar rund 50 bis 60 Werke von Noßmann zu sehen sein, kündigt Göring an. Sie sollen einen Ausschnitt der enormen Vielfalt der Themen widerspiegeln, mit denen sich der heute 47-Jährige beschäftigt. Er präsentiert mit einer eigenen, unverwechselbaren Handschrift nicht nur ausgefallene Schuhmodelle in Variationen und imposante Stadtansichten von Venedig, sondern auch derbe Bar- und Kneipenszenen mit aufreizenden Damen und betrunkenen Männern an einer Theke.

Noch provokanter, schonungsloser, teilweise sogar auf den ersten Blick abstoßend, wirken seine Darstellungen der sieben Todsünden. Zum Beispiel der Genusssucht: Da machen sich nackte hässliche Männer und Frauen hemmungslos über Torten und Wein her und ein Dämon schaut ihnen bei diesem Treiben mit einem durchaus zufriedenen Gesichtsausdruck zu.

In der Einladungskarte zur Ausstellung heißt es unter anderem über Andreas Noßmann: „Der (…) Künstler ist ein außergewöhnlicher Zeichner, der mühelos in Konkurrenz treten kann zu anderen Meistern des Zeichenstifts von Wilhelm Busch bis Janssen, von Goya bis Hrdlicka.“

VON LUDWIG VAN DER LINDE

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