Der Meister kehrt zurück

bocholt2Andreas Noßmann bestreitet 1. und 101. Ausstellung
Bocholt (Rü) Die Zeichnungen von Andreas Noßmann zu beschreiben fällt nicht leicht. Der Vorsitzende des Euregio Kunstkreises Karl-Heinz Ketteler fand in seiner Eröffnungsrede eindrucksvolle Worte, um die Bilder Noßmanns zu erläutern. Was aber sagt der Künstler selbst? „Man muss meine Bilder sicherlich im Kontext der Zeit sehen. Mich interessieren grundsätzlich alle Themen: Politik, Militär, Sport, Erotik. Und so facettenreich sind auch meine Bilder. Nehmen Sie die weltweite Finanzkriese von 2008 – die Themen, die mich bewegen, finden sich auch in meinen Bilder wieder“.

Ein außergewöhnlicher Künstler

Noßmanns Zeichenstifte machen vor keinem Genre halt. Ob Portraits von großen Küsntlern wie Günter Grass und Politikern wie Helmut Schmidt oder Landschaftsbilder von Hamburg, der Alster und der sündigen Meile Reeperbahn – Noßmann braucht nach anstrengenden inhaltlich schwierigen Zeichnungen auch das Triviale und Einfache als Ablenkung oder Gegenpol. Rund 100 Gäste waren am vergangenen Sonntag ins Bocholter Kunsthaus gekommen, um bei der Ausstellungseröffnung von Andreas Noßmann Exponaten dabei zu sein. Unter den Gästen sowohl Jugendliche als auch Senioren – ein Beleg für die Vielfalt des Noßmannschen Schaffens. Und da der Künstler mit seiner Frau Kerstin – einer begeisterten Fotogafin, die den Auftritt und Begenungen ihres Mannes im Bild dokumentierte – anwesend war, entwickelten sich zahlreiche persönliche Gespräche zwischen Künstler und Gästen.

bocholt1Es ist bereits 17 Jahre her, dass das Kunsthaus in Bocholt eröffnet wurde. Und die erste Ausstellung, die der Euregio Kunstkreis 1996 im Kunsthaus veranstaltete, war die damalige „Manche mögens heiß“ Galerie von eben jenem Andreas Noßmann. „Ja, ich habe selbst auch eine Zeichnung von ihm zuhause und zwar aus dem damaligen „Manche mögens heiß“ Zyklus“, sagt Karl-Heinz Ketteler. Und meine Frage nach den Erotikbildern Noßmanns beantwortet der Euregio Vorsitzende so: „Bei den erotischen Bildern geht es ja nie um reinen Sex oder gar um vordergründige Pornographie. Man muss bei Andreas Noßmann stets hinter die Kulissen schauen – dazu braucht es Zeit. Der wahre Sinn eines Bildes erschließt sich oft erst nach längerer Betrachtung“. Meine Frage ziehlte auch auf den Umstand, dass in Bocholt so wenig erotische Bilder ausgestellt sind. Der Künstler selbst gab eine einleuchtende Erklärung: „Man hat mit im Vorfeld erklärt, dass in Bocholt und Umland konservativ und katholisch geprägte Menschen leben. Und gar allzu freizügige Bilder hätten da nicht unebdingt gepasst. Ich habe damit aber überhaupt kein Problem. Zensur sieht anders aus. Deswegen habn wir die Aktbilder rausgenommen“.

Der Bocholter Kunsthändler Hermann Göring, den eine langjährige Bekanntschaft mit dem Künstler verbindet, hatte die Ausstellung im Bocholter Kunsthaus eingefädelt. Er hatte in seiner Eröffnungsrede so manche Anekdote parat. Zum Beispiel die Geschichte mit Günter Pfitzmann. Der populäre Schauspieler hatte eine Ausstellung von Andreas Noßmann besucht und in breitestem Berliner Dialekt spontan ein Bild erstanden: Herr Jöring, det Bild koof ich“.

Andreas Noßmann wollte ursprünglich malen. Doch an der Kunstschule bescheinigte man ihm, dass sein Talent eher im Zeichnen denn im großflächigem Malen liegt. „Ich habe mit 16 Jahren angefangen. Damals habe ich Anti Atom Kraft und Bilder gegen das Waldsterben gemalt. Halt die Themen, die mich damals beschäftigt haben. Das war vielleicht – aus heutiger Sicht banal – aber es hat Spaß gemacht.“ Andreas Noßmann hat bereits in New York und auch in verschiedenen europäischen Städten ausgestellt. Nie mehr ausstellen möchte er in der Schweiz: „Die sind nicht in der EU“, lacht Noßmann, „da musste ich beim Zoll jedes einzelne Gemälde auspacken, den Beamten zeigen und dann wieder einpacken.“

Im Bocholter Kunsthaus an der Osterstraße sind derzeit 75 Bilder ausgestellt. Rund 50 davon hat Andreas Noßmann selbst mitgebracht, 25 gehören dem Galeristen Göring. Aktuell malt Andreas Noßmann noch am Zyklus „Sieben Todsünden“, der noch in diesem Jahr fertig werden soll und aus 7×7 also 49 großformatigen Zeichnungen besteht. Weiterhin soll die Ausstellung „Goya“ fertig werden und Zizat „ich liebäugel im Moment mit Dantes göttlicher Kommödie, die allerdings viel Zeit in Anspruch nimmt. Noßmann arbeitet nach eigener Aussage „zwischen zwei bis sechs Wochen an einem Bild – täglich bin zu zehn Stunden“.

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