
Der Mensch im Kampf mit sich selbst, mit anderen und mit der Umwelt steht im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens des jungen Malers Andreas Noßmann.
In den letzten zwei Jahren, in denen er mit dem Zeichnen eigentlich erst richtig begann – allerdings fünf bis sechs Stunden täglich –, hat es der 28‑Jährige zu einer bemerkenswerten Ausdrucksstärke gebracht.
50 seiner Arbeiten sind vom 5. März bis zum 4. Mai in der Galerie Neue Ansicht, Hufelandstraße, zu sehen. Tücher, Vignetten und andere grafische Arbeiten begrenzen die gezeigten Zonen; dazu ist musikalische Untermalung geplant. Die Besucher werden optisch durch die Ausstellung geleitet, aber auch inhaltliche Anmerkungen sollen die Bilder erläutern.
Ausgestellt werden Arbeiten aus fünf Serien, die in den letzten drei Monaten entstanden. Die „Blaue Farbe“ beleuchtet die Dramatik einer Dreiecksbeziehung und basiert auf einem Kriminalstück. „Valentino“ skizziert drastisch Schönheitsideal und körperlichen Verfall. Der „Circus Maximus“ zeigt in abstrakter Form die Brutalität der Gladiatorenkämpfe, und die Serie „Simson und Dalilah“ beschäftigt sich mit der tragischen biblischen Geschichte.
Die Kunst von Andreas Noßmann, der in Wuppertal Freie Grafik und Malerei studiert, liegt in Abstraktionsfähigkeit und Umsetzungsvermögen. Mal setzt er exakt Federstrich an Federstrich und schafft so ein spannungsgeladenes Kraftpaket, mal fließt der Federstrich eher schwungvoll und erweckt den Stift zum Leben. Immer entstehen ausdrucksstarke Bilder, die treffen oder betroffen machen.
Diese Aggressivität fehlt den Zeichnungen der Serie „Philharmonie“, die sich humorvoll überzeichneten Darstellungen und Porträts einzelner Musiker, Komponisten und Instrumente widmet.
Die Galerie Neue Ansicht präsentiert mit dieser Ausstellung ein neues „Gesicht“. Pro Jahr sind vier große Ausstellungen vorgesehen.
Ruhrnachrichten, ??.02. o. 03.1988

