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Valentino Mythos

Der Künstler Andreas Noßmann stellt in der Galerie „Neue Ansichten“ aus. Seine Grundthematik, die Auseinandersetzung mit dem Menschen – allein und in Beziehung zum anderen – stellt er in den vier ausgewählten Serien „Samson und Dalila“, „Circus Maximus“, „Valentino“ und „Philharmonie“ dar. Das Galerie‑Café erhält für die Dauer der Ausstellung ein neues Gesicht. Durch Stoffbahnen, die den Raum unterteilen sollen, wird er in ein fast museales Ambiente versetzt. Es ergibt sich daraus die Möglichkeit eines thematisch gegliederten Rundgangs, der Orientierungshilfe für den Betrachter bieten kann.

Andreas Noßmann, Jahrgang 1962, studiert seit anderthalb Jahren Freie Grafik und Illustration in Wuppertal. In seinen Arbeiten orientiert er sich an literarischen Vorlagen wie Balzac, Sartre, Voltaire oder Poe. Dabei geht es ihm nicht um eine illustrative Wiedergabe, sondern um individuelle Eindrücke, die sich in neuen Bildern formen. Noßmann verbindet in seiner Darstellung situationsabhängige Darstellungs­möglichkeiten von Grundmustern anthropologischen Verhaltens – uralte, neue Motive, die ihren Ursprung in mythologischen und biblischen Texten haben. In diesem Kontext finden sich auch die Themen der Exponate wieder: „Samson und Dalila“ als traditioneller Konflikt männlich übertriebener Körperkraft und weiblich einfühlender Überlegenheit. Zur Serie „Circus Maximus“ ließ sich Andreas Noßmann durch Alfred Hrdlickas Darstellungen von Gladiatorenkämpfen inspirieren, betont in seinen Arbeiten jedoch mehr die Problematik des zur Schau gestellten Kampfes zweier Menschen.

Die Serien „Valentino“ und „Philharmonie“ zeigen Noßmanns Auseinandersetzung mit der Darstellung von Musik und Musikern. Die Serie „Valentino – Mythos“ entstand in Zusammenhang mit einem Musiktheater‑Spektakel über Prokofjews Leben als Hintergrundprojektion für Pantomimentheater. Die Ausstellung wird aus jeder dieser Serien 10 bis 15 Bilder beinhalten, die Noßmann selbst in technischer Ausführung „großformatige Zeichnungen mit malerischen Elementen“ nennt. Die große zur Verfügung stehende Fläche ermöglicht, verschiedene künstlerische Mittel wie Malweisen zu kombinieren. Der Einsatz dieser Mischtechnik bewirkt neue Aussagen und Konzepte, die in den Serien erkennbar bleiben. Gegenständlichkeit ist angesagt, immer wieder geht es darum, real fassbare Problematiken transparent zu machen. Dazu gehört für Noßmann auch der nötige innere Abstand zum Auslöser seiner Malerei, der Literatur und zu seinen Werken selbst. In diesem Sinn ist das Balzac‑Zitat „Malerei ist kein Projektionsfeld des Gefühls“ bezeichnend. Was Noßmann darstellt, ist immer ein Gefühl – aber nicht das Gefühl des Künstlers selbst, sondern das Gefühl des Menschen in seinen Bildern und Formen.

4. März – 30. April, Galerie Neue Ansichten

(Zeitschrift „Bospekt“ im März 1988)