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Django Unchained

djGestern war es endlich soweit und ich durfte, gemeinsam mit einem mehr als guten Bekannten, ebenfalls ein echter Film narr wie ich, den neuen Tarantino Film „Django Unchained“ bestaunen. Um es gleich vorweg zu nehmen, wir haben uns mehr köstlich amüsiert, teils lauthals lachen müssen und wurden somit, knappe drei Stunden lang, wirklich gut unterhalten – Kurz um, wir sind beide auf unsere Kosten gekommen.

Ich persönlich halte diesen Film für einen der besten Tarantino Filme. Manche halten ihn sogar für den Besten an sich! Soweit allerdings würde ich dann dennoch nicht gehen wollen. Denn alle Filme dieses ungewöhnlichen Regisseurs sind schon jeweils für sich betrachtet etwas ganz besonderes. Und es würde auch wenig Sinn machen die Qualitäten seines „Pulp Fiction“ nun mit deren von „Django Unchained“ gegen einander rechnen zu wollen. Denn beides sind Filme, die völlig unabhängig voneinander, jeweils ihren festen Platz in der Filmgeschichte haben oder im Falle dieses neuen Streifens, ganz sicher haben werden.

Was macht aber diesen neuen Film nun wirklich so überaus unterhaltsam, ja so einzigartig? Die Antwort ist eigentlich so simpel wie genial – Tarantino bleibt wieder einmal mehr sich selber treu und bedient sich auch hier wieder schon seiner allzu bekannten Stilmittel der Groteske, in denen er seine Protagnisten immer wieder in Situation auf ´s Parkett schickt oder in unvorhersehbare Handlungen verstrickt, deren Entwicklung und Auflösung am Ende im Grunde jed weder Vernunft wiedersprechen und somit meist völlig unerwartet sind.  Tarantino liebt nicht nur die Übertreibung des allzu Gegensätzlichen, sondern auch die des Alltäglichen, was sich bei ihm eben allerdings nicht nur in Äußerlichkeiten, rein bildhaft also auf der Leinwand abspielt, sondern  vor allem in feinst aufeinander abgestimmten Dialogen der jeweiligen Protagonisten ihren eigentlichen Höhepunkt findet.

Nachdem Tarantino in Inglourious Basterds das Stilmittel der Groteske vielleicht doch etwas zu weit auch auf die gesamte Handlung des Films ausdehnte, somit auch bewusst eine etwas zu Klamauk hafte Geschichtsverdrehung in Kauf nahm, rudert er in „Django Unchained“ in dieser Hinsicht wieder zurück. Was diesem neuen Film deutlich gut tut. Das Thema dieses Films, gänzlich unabhängig von all deren grotesken Zügen im Detail, bleibt von Anfang bis Ende bitterer Ernst.  

„Django unchained“ ist ein Western! Der erste von Tarantino überhaupt. Und dieser bedient sich über weite Strecken der typischen Stilmittel des Italo Westerns der späten 60er und frühen 70er Kino Jahre. Und dies wird auch hier wieder gleich schon erkennbar in der Art des Intros, der Eingangsmusik und der Farbig- und Grobkörnigkeit des Films. Ein stilistischer Rückgriff, den man von Tarantino Filmen im Allgemeinen, vor allem bei seinen Intros, schon kennt.

Die Geschichte dieses Films ist ja hinlänglich schon bekannt und kann von daher recht kurz gefasst, in wenigen Sätzen, auf den  Punkt gebracht werden: Ein Kopfgeldjäger befreit einen Sklaven, weil er dessen Hilfe bei der Jagd auf mehrere, flüchtige Verbrecher beanspruchen möchte. Der Sklave kennt deren Gesichter, der Kopfgeldjäger eben nicht. Als Gegenleistung wird ihm versprochen, dass man sich dann anschließend gemeinsam auf die Suche nach seiner, an eine unbekannte Farmplantage verkaufte Frau macht. Soweit – so gut …

Und natürlich ist besagter Kopfgeldjäger das Hauptkuriosum dieses Films, grandios gespielt und verkörpert von und durch Christoph Waltz. Ein ehemals praktizierender Arzt der zum Revolverhelden konvertiert ist, kennt man ja schon spätestens seit Doc Holliday – ein maßloser Trinker und zudem leidenschaftlicher Spieler, welcher angeblich in Diensten von Wyatt Earp stand.

Doch Dr. King Schulz (Christoph Waltz) ist nicht nur irgendein Arzt, sondern auch noch Zahnarzt. Er ist außerdem Deutscher und stammt aus Düsseldorf (wie kommt man nur auf sowas?). Außerdem ist er, im Gegensatz zu einem Doc Holliday, mehr als tugendhaft.

Dr. King Schulz ist somit nicht nur immer von tadelloser äußerer Erscheinung, sondern auch sein Benehmen und Umgangsformen in Sachen Konversation entsprechen dem eines echten Gentlemans. In diesem Umfeld, zu diesen Zeiten, und dann nun im Beruf eines Kopfgeldjägers stehend,  in denen auf höfliche Umgangsformen und eine halbwegs brauchbare Artikulation nur wenig Wert gelegt wurde, Derbheiten und deftige Fäkalsprache eher an der Tagesordnung waren, wirkt Dr. King Schulz (Christoph Waltz) hier eher  wie eine völlig unbrauchbare Witzfigur, die somit natürlich, vor allem von seinen steckbrieflich gesuchten Opfern, immer wieder maßlos unterschätzt wird.

waltzÄhnlich wie schon in Inglourious Basterds brilliert hier Christoph Waltz erneut weniger durch hektisches und Gesten reiches rum gefuchtel irgendwelcher Gliedmaßen, sondern wieder einmal   allein durch die Ruhe seiner einfallsreichen Mimik und seiner unglaublichen Fähigkeit, im Dialog, immer wieder ungewohnt und überraschende tonale Akzente setzen zu können, die einen nur begeistern können – und einen auch immer wieder zu manchen Lachern inspiriert.

Diese unglaubliche Fähigkeiten des Herrn Waltz scheint auch Tarantino selber nicht gänzlich entgangen zu ein. So wirkt dieser Film, in weiten Teilen, auch so, als wäre das ganze Drehbuch wie auf ihn alleine hin perfekt zugeschnitten zu sein. Und dabei darf man ja nun auch nicht außer Acht lassen, dass die Garde der weiteren Mimen, dieses Streifens, mit so großen Namen wie Leonardo DiCaprio, Jamie Foxx und Samuel L. Jackson, mehr als hochkarätig besetzt ist.

Abschließend noch ein Wort bezüglich der angeblich so übersteigerten Gewaltdarstellungen in diesem Film. Tarantino wird diese ja immer gleich und vorab sowieso schon pauschal mit unterstellt! Diese halte ich, entgegen aller Unkenrufe,  bei einem ausgewiesenen 16er Film, noch für durchaus moderat und vertretbar!  In der Summe, mal abgesehen vom dem üblichen Tarantino Showdown, bewegt sich das alles in einem noch recht vertretbarem Rahmen, wenn auch einem im Detail dann mal klar deutlich wird, was so ein Schuss aus einem Gewehr halt dann an Folgen mit sich bringt. Ob man das alles dann nur als 16r deklarieren sollte, muss Herrn Tarantino nun wirklich nicht weiter interessieren.

Großes Kino von der ersten, bis zur letzten Minute!

„Gentlemen, zuerst hatten sie meine Neugier, jetzt haben sie meine Aufmerksamkeit!“ Und das ist noch untertrieben…“

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