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Ein großer Fabulierer mit Feder und Bleistift

Wümme Zeitung 14.08.2002

Die folgenden Artikel (unten links und unten rechts) – zu dieser Ausstellung wurden gesichtet – konnten aber keiner Zeitung und keinem genauem Erscheinungsdatum zugeordnet werden. Sollte es hierzu Informationen geben – lassen Sie es mich wissen.

Galerie Ruländer zeigt Arbeiten von Andreas Noßmann Von unserer Mitarbeiterin Donata Holz

Worpswede. Eine Zirkusmanege: In einer verschlossenen Kiste liegt ein Mensch und wird nun von außen mit scharfen Speeren durchbohrt. Fast jeder hat eine solche Szene schon einmal im Zirkus gesehen und sich gewundert, dass der Mensch unversehrt bleibt.

Nicht so bei Andreas Noßmann. Der Maler und Zeichner lässt die Zirkusleute mit einem freudigen Sarkasmus in die Kiste steigen, während an einem Ende bereits ein Totenschädel herausschaut. Zum 40. Geburtstag des Künstlers präsentiert die Galerie Ruländer im Alten Rathaus jetzt eine umfangreiche Ausstellung mit dem vielfältigen Werk Noßmanns.

Mit scharfer Feder gibt der Künstler die Beobachtungen seiner Zeitgenossen wieder und zeigt den Betrachter mit Sarkasmus und ironischer Schärfe. In vielen Fällen wählt der Künstler für seine Darstellungen den Zirkus. Hier, an dem Ort, den die Menschen besuchen, um sich zu zerstreuen und zu lachen, setzt er seine Beobachtungen in Szene. Doch bleibt einem bei seinen Bildern das Lachen im Halse stecken.

Bei Noßmann nimmt das Lächerliche und Lustige oft eine böse Wendung. Die Akteure wirken traurig und verzweifelt. Doch meist bleibt ein Schuss Satire, so wie im „Kleinen Scherenschnitt“. Zu sehen sind fröhliche Clowns mit bunten Luftballons. Doch einer hält eine riesige Schere in der Hand und ist im Begriff, hinterrücks einem anderen die Fußspitze abzuschneiden.

Andreas Noßmann, der in Wuppertal Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Malerei und Grafik studierte, formuliert seine Bildideen direkt auf dem Papier. Dazu nutzt er Feder, Farbstift, Bleistift, Aquarell und Tusche. Die Geschichten, die er erzählt, sind vielschichtig und der Künstler entfaltet sie im Vorder-, Mittel- und Hintergrund eines Bildes. Die einzelnen Szenen, die Noßmann entwickelt, bilden einen Gesamtzusammenhang, können jedoch auch für sich stehen. Oft setzt der Künstler die Farbe nur sparsam ein. Auf diese Weise verstärkt er die Plastizität und die Wirkung der wichtigen Zentralfiguren im Bild.

Scheinbar so leicht und doch sicher ist der Strich Noßmanns, der den Betrachter bei allem ernsten Hintergrund mit seiner spitzfindigen Ironie immer wieder zum Schmunzeln bringt, wobei Bild und Titel oft eine Symbiose eingehen, die erst die Gesamtwirkung des Bildes ausmacht. So beispielsweise der „Klugscheißer“: Ein Mann steht mit heruntergezogener Hose auf einem Bücherberg und liest ein Buch nach dem anderen. Gleichzeitig scheidet er beschriebene Blätter aus.

Breit ist das Spektrum der Betrachtungen des Künstlers. So gibt es auch eine Reihe von Arbeiten, in denen sich Noßmann mit großen Phänomenen auseinandersetzt. Das „Gespenst der Stille“ erscheint hinter dem Komponisten, der vor seinem Blatt sitzt, und hält ihm die Ohren zu. In seiner Reihe der „Heldengeschichten“ formuliert der Künstler seine Anklage gegen Kriegsgeschehen. In diesen Arbeiten zeigt er mit Hilfe der Collage die Schizophrenie des Krieges auf. „Weihnachten 1916“ ist der Titel eines Bildes, in das der Künstler ein sanftes Weihnachtsgedicht eingearbeitet hat und direkt daneben zeigt er, wie die Menschen über Zäunen hängen und mit blutenden Körpern zusammenbrechen.

Andreas Noßmann ist nicht nur ein großer Fabulierer mit einer scheinbar grenzenlosen Fantasie, die den Betrachter fesselt und immer wieder Neues entdecken lässt. Faszinierend ist auch die Art der Strichführung, mit der er seine Gedanken genau auf den Punkt zu bringen vermag.

Die Galerie Ruländer präsentiert Andreas Noßmann

Worpswede (ke). Die Galerie Ruländer, Bergstraße 1, 27726 Worpswede, lädt am 9. August um 19 Uhr herzlich zur Ausstellungs-Eröffnung ein. Anlässlich des 40. Geburtstages des Künstlers Andreas Noßmann wird es Zeichnungen, Radierungen und Collagen aus den Jahren 1986 bis 2002 zu sehen geben.

Noßmann wurde 1962 in Hilden geboren. Er studierte an der GHS‑Universität Wuppertal den Studiengang Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Freie Grafik und Malerei bei den Professoren G. Aretz, W. Sensen und M. Badura.

Noßmanns Zeichnungen entstehen ohne Skizzen oder Vorstudien. Das Motiv entwickelt sich mit jedem Strich und reagiert auf das aus einer Stimmung heraus gewählte Format. Farbe wird hierbei nur spärlich eingesetzt und dient der Verstärkung der Plastizität der kompositorisch wichtigen Zentralfiguren und deren räumlicher Wirkung im Bild.

Der Künstler hatte bereits zahlreiche Einzelausstellungen, unter anderem in Münster, Braunschweig, München, Bremen, York und Heidelberg. Des Weiteren war er auf einigen Messen vertreten, zum Beispiel auf der Kunstmesse Genf und Gent sowie der Frankfurter Buchmesse.

Einleitende Worte zu dieser Ausstellung werden von Antke Bornemann, Kulturbeauftragte der Gemeinde Lilienthal, kommen. Die Ausstellung läuft bis zum 22. September. Geöffnet ist dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr.