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Götter und Dämonen

Werke des Brühler Künstlers Andreas Noßmann sind derzeit in der Kreishaus-Galerie in Bergheim zu sehen

VON HANNA STYRIE
Bergheim. Andreas Noßmann schont die Betrachtenden nicht: erbarmungslos konfrontiert der in Brühl lebende Zeichner sie mit apokalyptisch anmutenden Szenen und gewalttätigen Darstellungen. Man begegnet Göttern und Dämonen, biblischen Szenen und mythologischen Themen, in denen sich Gewalt, Leidenschaft und Begierde Bahn brechen. „Der gefallene Engel“ mit seinen Fesseln und Blessuren ist so ein drastisches Motiv, das einen zunächst zurückschrecken lässt, ebenso Judith mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes. Der Künstler schöpft seine Bildideen aus vielen Quellen. Anregun gen liefern Reisen, Filme und Bücher, Mythen und Legenden und auch Altes und Neues Testament. Eine mit fast 90 Exponaten bestückte Ausstellung in der Kreishaus-Galerie versammelt Zeichnungen aus zehn Jahren und vermittelt mit acht Themenbereichen einen Einblick in Noßmanns umfangreiches Schaffen. Mythologische Szenen
In unablässiger Folge entstehen in seinem Atelier diese feingestrichelten, altmeisterlichen Zeichnungen mit Bleistift oder Tusche, Aquarell und Farbstift. Seit fast 40Jahren zeigt er seine Werke in Gruppen-und Einzelausstellungen. 2010 war er das erste Mal bei den Kunsttagen in der Abtei Brauweiler vertreten.„Kein Tag ohne Zeichnung“, lautet das Credo des Künstlers. Neben den biblischen und mythologischen Szenen sind Stillleben, Landschaften, Architekturzeichnungen, Tiere und Porträts bekannter Persönlichkeiten zu sehen. Dabei erweist sich Noßmann in jedem Schaffensbereich als begnadeter Zeichner, der mit großem Detailreichtum und dem virtuosen Einsatz von Licht und Schatten maximale Spannung erzeugt. Ungeschönt ist auch sein Blick auf Arbeiter, Wanderarbeiter und Bauern in derZeit der industriellen Revolution. Viel Empathie spricht aus diesen Feder-und Bleistiftzeichnungen, die nach historischen Bildern entstanden sind. Erholung bieten dem Auge andere Werkkomplexe. Dem morbiden Charme von Venedig verleiht er in detailreichen, ungewohnt farbigen Zeichnungen Ausdruck. Wunderbar erfasst ist in den feinen Federzeichnungen das kunstvolle gotische Maßwerk des Kölner Doms. In Noßmanns Stillleben erzählen welke Blumen und faule Früchte in stiller Poesie vom Werden und Ver gehen in der Natur. Schier grenzenlos ist sein zeichnerischer Kosmos, in jedem Motiv offenbaren sich sei ne technische Virtuosität und seine schöpferische Leidenschaft. „Nehmen wir uns die Zeit, mit dem Künstler und seinem Werk in Dialog zu treten“, forderte die stellvertretende Landrätin Heike Steinhäuser die Besucherinnen und Besucher auf.

Die Ausstellung in der Kreishaus-Galerie,Willy-Brandt-Platz1, läuft bis zum 27. April. Geöffnet ist Montag bis Donnerstag von 8 bis18 Uhr, Freitag von 8 bis13 Uhr.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger, 08.03.2026

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