
Sehenswerte Ausstellung der Galerie Ruländer zeigt Werke von Noßmann, Zabel und Hoffmann
Von unserer Mitarbeiterin Karina Skwirblies
Worpswede. Aus dem dicken Bauch des Mr. Jekyll quillt sich unten ein großes, verschränktes Paket heraus, das sich als Mr. Hyde entpuppt. Das Gesicht zeichnet sich in dem geschwollenen Bauch ab. Fremdartig, widerwärtig, dämonisch und verzerrt sind die literarischen Figuren in dem Bilderzyklus „Jekyll und Hyde“ von Andreas Noßmann. Der Maler und Grafiker hat eine Vorliebe für die Schattenseiten der menschlichen Existenz, für Szenarien von Bedrohung, Leidenschaft, Verbrechen und Gewalt.
Man weiß bei Noßmann von Zeugen, Voyeuren und Beobachtern, erklärte Matthias Ruländer zur Ausstellungseröffnung in seiner Galerie in Worpswede. Rund 50 Gäste waren gekommen, um die Werke der drei Künstler Andreas Noßmann, Oliver Zabel und Harm Hoffmann zu sehen. Hoffmann sei ein Philosoph, Phantast und Denker, meinte Ruländer. Er gebe Rätsel auf, man sei Gast in seinen Bildern, manchmal aber auch skeptisch. Mit Oliver Zabel gehe der Betrachter auf eine Entdeckungsreise in eine irgendwie bekannte Welt. Die Motive und das Bildmaterial seien uns geläufig, doch Zabel erzähle eine etwas andere Geschichte.
Abstoßende Details
Die Verwandlung des Mr. Jekyll in sein bösartiges Pendant hat Noßmann auf leicht gefärbten Kugelschreiber- und Federzeichnungen festgehalten. Filigran hat er das düstere Szenario gestaltet und abstoßende Details eingearbeitet. Die Personen haben gespenstisch spitze Nasen, ein Pferdegebiss oder verzerrte Gesichtszüge. Überspitzt, fast karikaturistisch, kommen menschliche Abgründe zum Ausdruck. Ein leichter Silberstich in seinen Bildern, ein weißlicher Hintergrund sowie tiefe, pralle und sauber gesetzte Blickfänge sind prägend. An ihnen geht die entlarvende Frage Noßmanns vorbei. Auf einem großformatigen „Hyde’s party is over“ kniet die Prostituierte Lucy vor einem Sofa, bis auf ihr entblößtes Hinterteil bekleidet. In dem Bild ragt Mr. Hyde mit einem Sektglas hinter dem Sofa hervor. Ein wenig zu sittsam scheint die Dame nach der Party zu sein.
Einige Schaukasten, Bilder in Mischtechnik und Collagen zeigt Oliver Zabel aus. Auf gelb‑beigem Grund setzt Zabel scheinbar wahllos verschiedene Elemente: gedruckte Zahlen, Worte, geometrische Figuren, Farbtupfer und sorgfältig gemalte Dinge wie Flaschen oder Hände. Es ergibt sich eine angenehme ästhetische Wirkung. Zweiteilig ist die „Hommage an Carl von Ossietzky“. Ein Foto, das bei einem Besuch im KZ aufgenommen wurde, steht im Zentrum der einen Collage. Eine Briefmarke aus der Zeit und ein abgerissenes Stück eines Briefes, der mit „Heil Hitler!“ endet, sind weitere Teile der Collage. Das Werk strahlt zusammen mit den gemalten Elementen einen authentischen Hauch von Geschichte aus.
Von dem Worpsweder Künstler Harm Hoffmann gibt es bei Ruländer einige geniale und einige weniger spannende Arbeiten zu sehen. Bei den Landschaftsbildern ragt die „Kleine Landschaft 6“ heraus. Wie ein Wetterleuchten blinken die kleinen weißen Flächen aus der rötlich‑braunen Landschaft hervor. Die Kugelschreiberzeichnungen sind eine Spezialität von Hoffmann. Lange Linien strukturieren die weiße Fläche, filigran gezeichnete Fragmente fügen sich sparsam verteilt an sie an. Bei „Eisenhut“ sind es ein erhängter Papagei, eine kopfüber aufgehängte Ente, ein Tierskelettkopf und weiteres. In seine Zeichnungen fügt Hoffmann Sätze, Bemerkungen und philosophische Gedanken ein.

