
Gevelsberg. Andreas Noßmann, Jahrgang 1962, nach Fachabitur für Gestaltung ausgebildet an der Wuppertaler Gesamthochschule und Dozent der VHS, stellt zurzeit mit dem Bildhauer Christian Lammers in der vor sechs Wochen eröffneten „Galerie im kleinen Haus“ in Lüdinghausen aus: Zeichnungen, Aquarelle, Ölbilder.
Starke Vitalität spricht aus seinen Darstellungen. Seine überlebensgroßen Künstlerporträts, seine Szenen aus E. A. Poe‑Geschichten, seine Zirkusmenschen, Tänzerinnen und Akte zeigen eine temperamentvolle graphisch‑malerische Technik mit positiven Auswirkungen des Tachismus. Sein Stil ist „offen“, großzügig, lebendig; der Betrachter kann sich dem „Lesen“ der graphischen Rhythmik, der mit lockerem Strich umgrenzten Gebärde seiner Gestalten, nicht entziehen. Seine großformatigen Ölbilder haben Gewicht und Wirkung durch jeweils eine beherrschende Farbe, mit der gelegentlich das Weiß von nichtbemalten Leinwandflächen kontrastiert.
Noßmanns Themen haben oft Beziehung zu literarischen Werken und zum Artistenleben; anrührend sind die zarten weiblichen Körperdarstellungen „Im Zeichen der Frau“.
Christian Lammers’ Plastiken (Bronze, Stein) stellen in ihrer etwa mit Mataré verwandten, auch haptisch ansprechenden Vereinfachung der Form einen reizvollen Kontrast zu Noßmanns differenzierter Kunst dar.
Es lohnt sich also, nach Lüdinghausen zu fahren, wo die Ausstellung noch bis zum 21. Juni geöffnet ist (außer montags täglich um 17 Uhr). Ab 15. Juni gibt es aber auch in Gevelsberg, in der Deutschen Bank, eine Noßmann‑Ausstellung. Der junge Künstler stellt dann im Oktober noch in Iserlohn und Münster aus, und für das Jahr 1986 sind bereits Noßmann‑Ausstellungen in Braunschweig, Köln und Düsseldorf terminiert.
Westfalenpost, 05.06.1987

