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Noßmann malt Poe´s Gruselgeschichten

Gevelsberg. Der 25jährige, aus Hilden stammende Gevelsberger Graphiker und Maler Andreas Noßmann (ausgebildet an der Gesamthochschule Wuppertal im Fach „Kommunikativdesign“) stellt zurzeit mit dem Coesfelder Christian Lammers in Lüdinghausen aus, in der kürzlich eröffneten „Galerie im kleinen Haus“, einem für Ausstellungszwecke sinnvoll renovierten alten Fachwerkhaus in der Nähe des anheimelnden Stadtzentrums.

Neben einer von visionärem Licht durchwehten Landschaft (Motiv Breckerfeld) zeigt Noßmann nur figurliche Darstellungen, die eine erstaunliche Beherrschung der Anatomie bekunden. Sein lebendiger, oft untereinander zeichnender Stil, seine „Kunst des Weglassens“, das suggestive Mitsprechen leergebliebener Bildflächen, die diffuse Zeichnung mit Aquarelltönungen in Hellbraun oder gar unter Verwendung von Kaffee – alles dient einer Mischtechnik, deren Ausdrucksreichtum das Auge des Betrachters stark beschäftigt; es „ereignet“ sich etwas in seinen Bildern, er gibt keine Zustände. Edgar‑Allan‑Poe‑Lesern bietet Noßmann etwas Besonderes: suggestive Szenen aus Poe’s abgründigen Schauergeschichten. Suggestiv ist auch das weit überlebensgroße Verdi‑Porträt, anrührend zarten, kleinen Frauenakte. Weitschweigend‑forsch gestaltete Noßmann große Ölbilder in toniger, aber tachistisch gebrochener Farbgebung, z. B. die nackte kauernde „glücklose Frau“ in kaltem Grün gehalten.

Christian Lammers’ Skulpturen in ihrer, man möchte sagen, ägyptischen Formenabrundung und oft strahlenden Glätte bilden einen interessanten Gegensatz zu Noßmanns Farben‑ und Liniengeweben.

Die Gevelsberger werden vom 21. Juni an die Gelegenheit haben, Arbeiten von Noßmann in der Deutschen Bank zu besichtigen; die Ausstellung in Lüdinghausen ist noch bis zum 15. Juni geöffnet.

Im Oktober dieses Jahres wird der Künstler in Iserlohn und in Münster ausstellen, 1988 in Braunschweig, Düsseldorf und Köln.

Westfälische Rundschau, 28.05.19887