
Mit zeichnerischem Biß entthront der Maler große Musiker und Komponisten
Essen. Andreas Noßmann aus Ennepetal zeigt in seinem technisch perfekten Zyklus über Mozart den Komponisten mit „Wahnsinn im Gesicht“. Der Künstler, 27 Jahre alt, hat sich intensiv mit den Biographien großer Musiker auseinandergesetzt und entwirft mit spitzer Feder expressive Porträts, die die Genialität und Zerrissenheit ihrer Schöpfer offenlegen.
Mozart sitzt am Klavier, der Mund weit geöffnet, ein umgestürztes Weinglas und ein Kruzifix liegen daneben – Symbole für die ungebändigte Kreativität und das Ringen zwischen göttlicher Inspiration und menschlicher Schwäche. Noßmanns Zeichnungen holen den Mythos auf menschliches Maß zurück und machen ihn zum moralischen Spiegel.
Auch Paganini erscheint in drastischer Symbolik: Der Hals seiner Geige drückt sich in seinen eigenen, als Metapher für den Zwang der Eltern, die das Wunderkind zur Perfektion trieben.
Noßmanns Arbeiten sind derzeit in der Galerie Schütte, Kaiserstraße 17 in Kettwig, zu sehen. Sein Offenbach‑Porträt, das zur Aufführung von Orpheus in der Unterwelt im Aalto‑Theater Essen entstand, ist auf Essener Litfaßsäulen zu sehen.
Der Künstler, der sich in seinen Zyklen „Amadeus“ und „Paganini“ mit der inneren Zerrissenheit musikalischer Genies beschäftigt, arbeitet bereits an einem neuen Themenkomplex: „Heldengeschichten“, in dem er die Stimmungen und Widersprüche menschlicher Helden erforscht.
(Christopher Onkelbach)
(WAZ - 17.10.1989)
