
Zeichnungen von Andreas Noßmann in der Galerie Blaeser
Von unserem Mitarbeiter Dieter Westecker
Andreas Noßmann ist in Düsseldorf kein Unbekannter. Gern erinnert man sich an die Ausstellungen „Amadeus“ (1989) und „Paganini“ (1990), in denen er sich in der Galerie Blaeser als ein phantasieüberbordender, fulminanter Zeichner vorstellte.
Der 1962 in Hilden geborene Künstler, der in Wuppertal „Freie Graphik“ und „Malerei“ studierte und seit fünf Jahren als Lehrer an der Akademie für bildende Kunst Vulkaneifel tätig ist, zeigt wiederum aufsehenerregende Zeichnungen. Das klingt sehr zurückhaltend und bescheiden. Dabei handelt es sich um höchst aufregende Dinge. Denn Noßmann ist nicht nur ein exzellenter Erzähler und genauer Menschenbeobachter, er betätigt sich zugleich als Moralist im besten Sinne, der mit den Mitteln der Karikatur seinen Artgenossen einen Spiegel vorhält, der ihre Eigenschaften zwar verzerrt, dafür aber umso deutlicher hervortreten lässt.
Mitunter wird man an Daumier und seine Intentionen erinnert. Wie schon in der „Mozart“-Serie und „Paganini“-Folge benutzt Noßmann vor allem Feder, Farbstift, Aquarell und Tusche für seine Arbeiten, die unter keinem gemeinsamen inhaltlichen Titel zusammengefasst werden können.
Das Personal in seinen Zeichnungen stammt aus verschiedenen Zeiten und Ländern. Es gibt Leute, die fahren auf Straßen oder beuten auf Märkten andere aus. In der Kleidung erkennt man viele der mittelalterlichen Schichten, vereinzelte Karnevals-Ausprägung, Zeitlosigkeit ist angesagt, denn menschliche Schwächen und Äußerungen sind ja auch nicht zeitlich fixierbar.
Wenn ein Blatt „Verschaukelt und Vergaukelt“ heißt und zwei Gecken vorführt, die alten Anschein von nach sich gegenseitig übers Ohr hauen, dann sind das stimmende Begebenheiten. Der „Schauplatz“ zwischen zwei komischen Figuren mit maskenhaftem Ausdruck ist eine leere Geschwätz‑Welt.
Bezeichnend ist ferner, dass Noßmann einige seiner Figuren mit Masken ausstattet, unter denen sie sich verstecken können. Es gibt einen „Finänzler“ und auch „Die Liebe zum Geld“ oder „Lange Gesellschaft“. Ein sehr schönes Blatt heißt „Schau in den Spiegel und ich sage dir, wer du nicht bist“. Hier überschlägt sich der Witz und stellt die Welt auf den Kopf. Auch das gehört in diese schöne Schau.
Westdeutsche Zeitung, 03.07.1993

