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Vom Dämon gejagt

Galerie Blaeser: Noßmann über Paganini

Vor nicht allzu langer Zeit konnte man in der „Galerie Blaeser“ eine Serie von Zeichnungen über Mozart bewundern. Verfasser war Andreas Noßmann, der an der Universität Wuppertal den Studiengang Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Freie Grafik und Malerei bei den Professoren Aretz, Sensen und Badura studiert hat. Seine jüngste Ausstellung mit der großformatigen Serie „Caprichos zu Paganini“ befasst sich in mehr als dreißig Blättern mit dem Teufelsgeiger.

Im Katalogvorwort macht Noßmann sich Gedanken über Mozart und Paganini: War Mozart ein kindlich-göttliches Genie, habe Paganini seine Zeitgenossen zu fragwürdigen Phantasien dank seiner übernatürlichen Fertigkeiten und der hypnotischen Wirkung seiner äußeren Erscheinung angeregt.

Und so zeichnet Noßmann die wichtigsten inneren und äußeren Stationen des Paganini-Lebens nach: den verschmähten Liebhaber, seine leidenschaftliche Rach- und Eifersucht, die durch ein Messer lebensgefährlich verletzte Spielgefährtin, den Aufenthalt im Kerker von Mantua. Paganinis extreme Introvertiertheit und die Qualen seiner Einsamkeit führen den Künstler Noßmann zu dem Schluss, dass Paganini vom Dämon geführt die Kräfte des Dunkels entfesselte, die seiner Musik den Reiz des Magischen verliehen.

Unter diesen Aspekten entsteht aus dynamisch-fahrigen Strichen ein aufgeregtes, mageres Gesicht mit aufgerissenen Augen. Dieser Paganini, den Noßmann in den verschiedensten Situationen dramatisch überhöht, bisweilen als Torso auch unvollendet lässt, da es hier nur um die inneren Prozesse des Violinisten geht, wirkt wie ein Besessener. Und stets ist die Geige dabei.

Noßmann nimmt sich die Freiheit, mit viel Freiraum zu arbeiten, verwendet sparsam Farbstift, Aquarell und Tusche, um einige Partien zu kolorieren. Dass diese Zeichnungen von dem „Teufelsgeiger“ berichten, ist nicht zu bezweifeln. (Bis 1. September.)

Dieter Westecker

(WAZ – 15.08.1990)