50321 Brühl - Von Wied Str. 1
02232 - 206 79 09
a@nossmann.com

Ausstellungen in Trier

In die Welt der Manege führt die Auswahl von Zeichnungen Andreas Noßmanns, die bis Ende des Monats im Kunst‑Kabinett Trier (Simeonstraße) zu sehen ist. Doch die „Gaukler, Clowns und Liliputs“ des 28‑jährigen, in Ennepetal (Nordrhein‑Westfalen) lebenden Künstlers sind eher Symbolfiguren für die menschliche Gesellschaft überhaupt. Sie fügen sich damit in die Tradition der Stellvertreterrolle ein, die „Zirkus“ oder „Theater“ schon so oft in der Kunst – bei Picassos melancholischem Artisten zum Beispiel – zugemessen worden ist.

„Was für ein Zirkus!“ könnte man hier gleich in mehrfacher Beziehung sagen, denn Noßmanns Figuren und Szenen sind Ausgeburten einer zutiefst barbarischen Welt, in der Hässlichkeit und Gemeinheit, Betrug und Schaumschlägerei grassieren. Keine Illustrationen dieser oder jener Art also, sondern von interpretatorischem Drang beseelte Demaskierungen, die alles andere als Ebenbilder Gottes enthüllen und auf den Graphiker Goya als Urahnen verweisen. Der sah die Welt in genau so bösem, Verschrobenheiten und Abgründe erhellenden Licht.

Die Eintönigkeit der Strophen des Liedes „Es ist alles so maßlos gräßlich“ mag nerven – als Zeichner ist Andreas Noßmann eine Entdeckung: in der Komposition von Bildräumen mit Hintergrund, in der Auflage seiner fein strukturierten Strichgefüge mit Ausdruck. Da erscheint kein skurriles Gekritzel als überflüssige Formzutat, sondern unterordnender Einsatz der Farbe. Andreas Noßmann braucht auch den Vergleich mit markanten Zeitgenossen wie Horst Janssen nicht zu scheuen.

(Trierer Volkszeitung – 25.06.1990)