Psychoanalytischer Deutung bildhaft Geldtung verschafft

Psychoanalytischer Deutung bildhaft Geldtung verschafftWestfälische Rundschau/Altena. (cba). „Auf den ersten Blick karikativ – die Zeichenweise erinnert an Wilhelm Busch, mit Überschneidungen zum Grotesken“. Mit einer Beschreibung seines ersten Eindrucks von einzelnen Bildern eröffnete Stadtdirektor Reinhard Riechert am vergangenen Donnerstag eine Ausstellung von Zeichnungen des aus Ennepetal stammenden Künstlers Andreas Noßmann. Die vom Kulturring Altena veranstaltete Ausstellung des Kommunikationsdesigners ist bis 28. Juni in der Stadtgalerie zu sehen.

Nach eigenen Angaben arbeitet der Absolvent der Gesamthochschule Wuppertal nicht zyklisch. Dennoch zeigen die Bilder bestimmte Motive. die verschiedentlich variiert werden. So sind beispielsweise unterschiedliche Phasen der Schneewittchen Erzählung dargestellt, wobei der Künstler beabsichtigt, unter Berücksichtigung tiefenpsychologischer Interpretationen, die Tiefgründigkeit von Märchenerzählungen zu veranschaulichen. In bewusster Abgrenzung zu biedermeierhaften Darstellungen, etwa eines Ludwig Thoma, wird psychoanlytischen Deutungen bildhaft Geltung verschafft. Bei der Verarbeitung des Rotkäppchen Motivs steht z.B, der sphinxartige Wolf vor dem Bett der Großmutter und ist in seiner Eigenschaft als potenter Verführer nicht zu verkennen.

Sexualität spielt aber auch in einem anderen thematischen Kontext des Werkes von Andreas Noßmann eine Rolle. Exemplarisch verwies der Künstler an Hand des Bildes „Der letzte Kunde“ (eine Komposition aus Federzeichnung, Farbstift, Aquarell, Tusche und Collage) auf den engen Zusammenhang von Tod und Sexualität. Mit dieser Variation des Gemäldes „Die Ärmsten“, von Goya, habe er versucht, das durch den spanischen Künstler vorgegebene Thema „Erniedrigung durch Armut“ durch die Variante „Erniedrigung durch Entblößung“ zu übersteigern. Dem Menschen könne über materielle Werte hinaus eben auch seine Würde genommen werden.

Neben künstlerischen Motiven finden sich in einzelnen Bildern deshalb existenzialistische Themen wieder, wie sie etwa der französische Philosoph Jean¬Paul Sartre in dem Stück „Hinter verschlossenen Türen“ literarisch verarbeitet hat. Im Gegensatz zu abstrakten Kunstrichtungen erleichtert die plastische, zu „Deftigen“ neigende Darstellungsweise dem Betrachter die Auseinandersetzung mit einzelnen Werken. So ist für drei Wochen im Hause Köster-Emden eine Ausstellung zu sehen, die nicht zu besuchen schon ein Versäumnis wäre.

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