Eine Welt voller Narren und verstörender Einsichten

Werke von Andreas Noßmann bis Mai bei Fahrenhorst

Eine Welt voller Narren und verstörender EinsichtenHameln.
Narrenbevölkern seine Welt. Buntberockt, mit Schellenkappe und Schnabelschuhen legen sie den Finger in die Wunden unserer Zeit, halten hintersinnig, ironisch, bitterböse und zynisch Zwiesprache mit dem Betrachter. Menschen, die sich zum Narren machen, haben es Andreas Noßmann angetan. Dem bekannten Wuppertaler Künstler mit der spitzen Feder, der mit scharfem, analytischem Blick sein Augenmerk auf die Geschwüre unserer Gesellschaft richtet, ist seit Samstag eine Ausstellung in der Hamelner Galerie Fahrenhorst gewidmet, die neben ein paar Zeichnungen aus vergangenen Jahren vorwiegend Arbeiten jüngeren Datums zeigt.

Drei große Themenbereiche werden sichtbar: Der Mensch, die Musik und die Natur. Mit Busch´schem Gespür für Karikatur stellt der 37-jährige die Eigenheiten seiner Figuren heraus: Musiker erstarren in typischer Pose, werden zu Tasten umspannenden Klaviervirtuosen mit wirrer Mähne, sind ganz Bein und ganz Ohr für ihr Instrument, auch wenn dies oft nur zu erahnen ist. Die Sicht auf die Dinge und die Personen, Noßmann ungewöhnliche Perspektiven geben den Arbeiten dieses Künstlers ihren ganz eigenen Reiz, machen sie unartig, bissig und böse ironisch.

Besonders augenfällig wird dies in den politischen Werken. So zieht ein Narr bei der verstörenden Zeichnung „Der Aufbau“ mit aller Kraft genau an dem Seil, das im Hintergrund einen anderen stranguliert. Vieles bei Noßmann wirkt durchaus auf den ersten Blick, die Details aber offenbaren sich erst beim zweiten Hinschauen: Der „Weg in den politischen Alltag“ rückt eine blutige Operation ins Zentrum, die jenen Menschen das Rückgrat bricht, die in perspektivisch dramatischer Prozession von links aufmarschieren, um anschließend gebeugt und gesichtslos nach rechts zu entschwinden. Doch auch Noßmanns Gesellschaftskritik geht unter die Haut: Blödsinnig grinsend vollführt „Der Trunkenbold“ seinen alkoholumnebelten Tanz auf der Flasche, zerbrochen liegt das Bauernofper beim Eröffnungszug von „Chess“ auf dem Brett.

Während meisterliche Naturbilder des Künstlers die stürmische Romantik eine Caspar David Friedrich zu atmen scheinen, heben andere Werke die Welt aus den Fugen, gründeln mit spitzer Feder in den Abgründen der Menschheit, sind ein bisschen Goya, Horst Janssen, Weber, Wilhelm Busch. Vor allem aber: ganz viel Noßmann. Und der ist kein Pessimist. Sagt er.

Karin Rohr, DWZ

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