Gesellschaftlicher Totentanz

Gesellschaftlicher TotentanzWestfalenpost, überregionaler Kulturteil.
Neue Zeichnungen von Andreas Noßmann
Gevelsberg. Unter dem Titel „Gedanken auf Reisen“ präsentiert die Galerie Villa Hühn in Gevelsberg (Zum Berger See 121) vom 6. bis 30 Dezember eine Ausstellung des international renomierten Künstlers Andreas Noßmann.

Im Mittelpunkt der neuen Schau steht der Bilderzyklus „Die sieben Todsünden“, die Noßmann mit der ihm eigenen, unverwechselbaren Kunstfertigkeit in Szene gesetzt hat. Zwischen Hochmut und Neid, Geiz, Völlerei und Zorn dokumentiert der Zeichner eine zutiefst lasterhafte und gierige Welt – ein gesellschaftlicher Totentanz, dem das Grauen in vielschichtiger Form anzusehen ist.
Noßmanns spitzer Feder geht eine penible Beobachtung vorraus; wahrlich keine sonderlich charmante Bestandsaufnahme der menschlichen Existenz.

In thematisch ruhigere Fahrwasser steuert der Künstler mit seinen Portraits, beispielsweise der berühmten Familie Mann. Hier ist kein Platz für das Lärmende, das Schreiende, sondern der Blick wird gelassen, zugleich aber auch fokussiert auf das charakterlich Wesentliche. Als weiteren Schwerpunkt zeigt die Ausstellung noch zahlreiche Beispiele aus dem neuen Bildband „InSociety“ mit Zeichnungen aus den letzten zwei Jahren, die abermals eher der Entlarvung und Enthüllung menschlicher Schwächen, denn ihrer postiven Stärken zugeneigt sind.
In jedem Fall besticht jedoch die großartige Zeichenkunst von Andreas Noßmann, die einmal mehr eine Begegnung mit ihr ausggesprochen wertvoll erscheinen lässt.

Andreas Thiemann

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