
Von Christian Lotz
Ennepetal. Kürzlich beschrieb die Galeristin der Wuppertaler Galerie „Poly‑Print“, Gabriele Wolk, seine Kunst als „monströs und düster, ernst und konzentriert, dynamisch und temperamentvoll“. Die Beschreibungen bezogen sich auf das Werk eines jungen Ennepetaler Künstlers, aus dessen Schaffenswurzeln inzwischen ein kleines Bäumchen geworden ist. Der 26‑jährige Andreas Noßmann, Anfang 1988 von der WR vorgestellt, hat sich im abgelaufenen Jahr einen Namen gemacht.
Im Februar wird er in der Düsseldorfer Galerie Bläser, eine der angesehensten und bedeutendsten Galerien der Kunsthochburg Düsseldorf, seinen bisher ausgefeiltesten und bedeutendsten Zyklus „Amadeus“ vorstellen. „Es gibt außer mir nur noch vier oder fünf andere Künstler in Deutschland, die ähnlich malen wie ich“, meint Künstler Noßmann, angesprochen auf seine Zeichnungen, Mischtechniken und Collagen. Die Bilder, oftmals großformatig, setzen sich eindeutig von den avantgardistischen, grellen, von Form und Farbe beherrschten Stilrichtungen der heutigen Zeit ab. Sie enthalten figurative Elemente und sind nicht, wie heutzutage fast immer zu beobachten, abstrakt. Die Themen erstrecken sich von Musik über Sexualität bis zum Tod, wobei er immer wieder an der Musik hängen bleibt. Er gibt zu, dass er gerne Musiker geworden wäre. Die aggressiv kombinierten Themen erwecken ein zwiespältiges Gefühl beim Betrachter. „Nur Gegensätze machen Kunst interessant“, meint der Künstler. Er legt sehr viel Wert auf die formale Gestaltung seiner Bilder, die von Spannungen leben. Die gesamte Vielfältigkeit seines Schaffens zeigt sich in dem 140 Arbeiten umfassenden Amadeus‑Zyklus, der in der Galerie Bläser erstmalig vollständig vorgestellt wird. Mozart als Kontrastfigur: auf der einen Seite, wie in ihm die Welt das Genie sieht, und auf der anderen Seite sein zurückgebliebenes Verhalten als Sechzehnjähriger.
Zur Zeit arbeitet er an seinem nächsten und das Kapitel Mensch/Musik abschließenden Zyklus „Paganini“. „Dieser wird noch bedeutender werden“, meint der junge Zeichner. Seine nächsten Ideen beinhalten die Umsetzung des Macbeth‑ und des Casanova‑Stoffes. Die Bocholter Galerie am Finkenbusch hat ein Buch über den arbeitswütigen Noßmann herausgebracht. In einem Bildband zum Preis von 28 DM erhält man einen Überblick über sein Schaffen, zu einer eingehenderen Untersuchung reicht es allerdings nicht. „Das Buch soll nur einen Einblick gewähren“, kommentiert der Künstler ein wenig unzufrieden mit dem Band.
Westfälische Rundschau im Januar 1989 – der Tag der Veröffentlichung ließ sich leider nicht mehr ermitteln.

