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Zeichnungen von auffallender Leichtigkeit

Der Wahl‑Ennepetaler stellt im Februar in Düsseldorf aus

Ennepetal. (ub) Die Vorstellung vom verhärmten, bettelarmen Künstler, der im ungeheizten Dach‑Atelier seiner brotlosen Kunst lebt, der – mit der Mappe unter dem Arm – verzweifelt versucht, bei Kunsthändlern seine Werke loszuschlagen, verflüchtigt sich rasant bei der Begegnung mit Andreas Noßmann, den die Westfalenpost in seinem Atelier an der Kölner Straße besuchte. Er hat einen Fuß drin im Markt – „und den muß ich auch drin lassen“, beschreibt der 1962 in Hilden geborene Noßmann, der lange in Gevelsberg gelebt hat, seine Position.

Angefangen hat er tatsächlich so, wie man sich das vorstellt. Auch er ist mit der Mappe unter dem Arm losgezogen, hat zahlreiche Leute angeschrieben, ob sie Interesse hätten, Ausstellungen seiner Werke zu veranstalten. Inzwischen kommen die Interessenten zu dem Zeichner nach Hause, eine erste Ausstellung in Düsseldorf steht an – im Februar in der renommierten Galerie Norbert Blaeser. Diese Galerie zählt zu den wichtigsten in der Landeshauptstadt; Norbert Blaeser habe einen Einzugsbereich bis München und sei auch auf Messen vertreten, hebt Andreas Noßmann, der in Wuppertal seine Ausbildung erhielt, im WP-Gespräch hervor.

Ein Flötenkonzert von Mozart erklingt im von zwei Fenstern erhellten Arbeitsraum. Musik gehört für Andreas Noßmann, der selbst intensiv Gitarre gespielt hat, zum Leben – sowohl Klassik als auch Pop‑Musik ist auch ein wichtiges Thema für seine Kunst. Andreas Noßmann zeichnet mal mit der Feder, mal mit Bleistift oder Buntstiften. Seine Bilder sind von auffallender Leichtigkeit: Der Raum um die gezeichneten Figuren bleibt stehen. Die Zeichnungen werden mit zarten Farben malerisch bearbeitet, die Flächen sind mit feinen Linienstrukturen unterlegt.

Noßmann beherrscht die „Kunst des Weglassens“ – da ist beispielsweise bei einem Violinspieler der Arm, der den Bogen hält, nur angedeutet. Der Betrachter wird zum genauen Hinsehen verlockt, niemals von wuchtigen Flächen erschlagen. Mit seiner Stilrichtung schwimmt Andreas Noßmann gegen den Trend – die Zeichnung war jahrhundertelang nur Vorarbeit, Studie für das eigentliche Werk, das Gemälde. Die Zeichnung als eigenständiges Œuvre sei relativ knapp, von daher erkläre sich vielleicht die zur Zeit rege Nachfrage nach seinen Werken.

Dadurch hat natürlich auch der kaufmännische Arbeitsaufwand zugenommen, und ein Computer gehört mit zur Ausstattung des Ateliers – um genau über Verbleib und Preis der einzelnen Werke auf dem Laufenden zu bleiben und um Texte beispielsweise zum Mozart‑ und zum Paganini‑Zyklus zu schreiben. Um die Verwaltung seiner Werke effektiver zu gestalten, hat Andreas Noßmann mit zwei Freunden einen Verlag mit Sitz in Witten gegründet. Mit diesem will Noßmann auch an der nächsten Buchmesse in Frankfurt teilnehmen – ein weiterer Schritt zu dem größeren Bekanntheitsgrad, den das Werk des jungen Künstlers verdient.

Westfalenpost, 03.01.1989