
In seinem bildsüchtigen Mozartzyklus „Amadeus“ (Galerie Blaeser bis 6. April) setzt sich der 1962 in Hilden geborene Andreas Noßmann auf eigenwillige Weise mit den Exzessen des besessenen Musikers auseinander. Dabei schreckt der mit Farben arbeitende Zeichner vor einer deftigen Darstellung erotischer Phantasien nicht zurück. Dionysos, der Gott der Musik, ist als ewiger Pate in fast allen Arbeiten präsent.
„Die Nacht der Zauberflöte“ heißt eine aufregende Reihe skurriler Zeichnungen. Sie präsentieren den sich den Freuden vollen Lebens hingebenden Musiker, wie er sich ans Weinglas klammert und sich des Anblicks entblößter Frauen erfreut, während im ruhigen Hintergrund dieses orgiastischen Treibens auf einem Flügel ein Kreuz steht. Was die Beschreibung der Rauschzustände angeht, so verhält sich Noßmann nicht eben zurückhaltend. Er liebt das Deftige seltsamer Widersprüche, die Vehemenz des Ausdrucks, die schamlose Offenheit, die nichts geheimhält.
Trotz aller rigiden Deutlichkeit, mit der er sich als Tabuverletzter seinem Dauerthema nähert, geht er niemals plakativ vor. Er erweist sich als feinfühliger Interpret obskurer Geschehnisse und ironisiert den neurotischen Hang zur Leidenschaft auf Teufel komm raus. Alles, was nicht auf Anhieb vereinbar ist, fügt sich in diesen ausdrucksstarken Bildern zusammen. Dort, wo sattes Leben dominiert, treten Symbole des Todes in Erscheinung. Eine angeschnittene Apfelhälfte bildet zusammen mit dem Schädel eines Vogels ein merkwürdiges Stillleben, das im Kontrast zu der Nackten steht, die auf dem Tisch hockend Flöte spielt, während der Mann seine Hand nach dem Kreuz ausstreckt. Metaphysische Anspielungen auf Sakrales und Profanes gehören zum Inventar der Motive.
Wie beklemmend die Situation des Musikers ist, führt ein Bild mit dem Titel „Spiel ohne Grenzen“ vor Augen. Da sieht man den mit verbundenen Augen Spielenden, der am Flügel umringt von den Schatten hoher Geistlichkeit sitzt, hinter denen sich ein weibliches Knochenwesen versteckt. Das „Requiem“, wie es Andreas Noßmann in seinem düsteren Zyklus karikiert, kündigt sich hier bereits an.

