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Von Goya zu Noßmann

Seinen Namen wird man sich wohl merken müssen: Der junge Andreas Noßmann (Jahrgang 1962), der nach einem Studium als Kommunikationsdesigner erst vor drei Jahren im Kunstbetrieb aufgetaucht ist, entpuppt sich als talentierter Zeichner in der Tradition von Daumier, Busch oder Goya. Den großen spanischen Künstler scheint er besonders zu verehren; davon kann man sich jetzt in der „Galerie in C“ überzeugen, die Noßmanns „Variationen zu Goya“ zeigt.

Vor allem in den Zeichnungen nach Goyas „Caprichos“, die dieser zwischen 1796 und 1799 anfertigte, um die Bornierheiten der menschlichen Gesellschaft in ausschweifenden Phantastereien zu geißeln, läuft Noßmann zu zeichnerischer Höchstform auf.

„Beide Künstler versuchen in der Gattung des Caprichos die Unnatur des Menschen als künstlerische Erfahrung einzubringen“, schreibt dazu Gerrit D. Klein im Katalogbuch; und er fährt fort, beide wollten „mit ihrer Phantasie gleichermaßen, in zugespitzter Form, das Lächerliche und Perverse menschlicher Verhaltensweisen zum Ausdruck bringen.“ Noßmann betont zudem in seinen Variationen (aquarellierte Tusche-, Blei- und Farbstiftzeichnungen), die nicht zuletzt auch als Würdigung an Goya zu verstehen sind, die surreale Komponente.

Mit expressivem Federstrich kreiert Noßmann groteske Figuren von überquellender und zuweilen auch deutlich morbider Sinnlichkeit. Solche rasant gezeichneten Darstellungen sind freilich nicht leicht konsumierbar. Sie verlangen danach, vom Betrachter genau gelesen zu werden. Nur so können die differenzierten Beziehungen der einzelnen Figuren zueinander und die verschlüsselten Anspielungen auf das ewig währende Chaos in der Welt deutlich werden.

Galerie in C, Hohenstaufenring 53, Mo.–Fr. 14–18 Uhr; bis zum 18. Mai.

(Kölner Stadtanzeiger – 22.04.1990)