

Persönlichkeiten mit Zeichenstift studiert
Großhelfendorf. In Angelika Blaesers Galerie stößt man zurzeit auf bekannte Gesichter: Ein Salvador Dalí in Tusche lässt den Betrachter nicht aus seinen stechenden Augen – kein simples Abbilden, sondern eine intensive Auseinandersetzung. Die Bilder verraten, dass sich der Künstler mit diesen Personen wirklich beschäftigt hat.
So entspricht etwa das Horowitz‑Bild ganz und gar nicht dem Star‑Image des berühmten Pianisten. Unter dem fein herausgearbeiteten Kopf hat Noßmann ein kariertes Hemd collagiert – ein augenzwinkernder Bruch mit der Erwartung.
Musik ist überhaupt das große Thema. In einem ganzen Zyklus, ausgeführt in Mischtechnik aus Tusche, Aquarell und Farbstift, hat Noßmann Flötisten, Cellisten und Dirigenten dargestellt: zerbrechliche Wesen in versunkener Pose, die der Maler ernst nimmt, auch wenn er sie zuweilen leicht karikiert.
Deutlicher tritt sein Hang zur Satire in den politisch motivierten Bildern zutage. So hat er etwa das kriegsverherrlichende Titelblatt einer Zeitschrift vom Anfang des Jahrhunderts derart verfremdet, dass daraus eine Anklage gegen den Krieg entsteht.
Der 27‑jährige Andreas Noßmann lebt im Rheinisch‑Bergischen Land und studierte Freie Grafik und Malerei an der Universität Wuppertal. Seit seiner ersten Ausstellung 1987 waren seine Werke bereits an über zwanzig Orten zu sehen. Schon jetzt zeigt sich eine perfekt beherrschte Technik und eine eigenwillige, unverwechselbare Aussage.
Passend zu den Bildern ist die Haltung der Galeristin Angelika Blaeser. Sie ist ebenfalls 27 Jahre jung und betreibt den Ausstellungsraum an der Grasser Straße direkt an der Ortseinfahrt seit einem Jahr. Sie hat sich auf zeitgenössische Kunst spezialisiert und legt besonderen Wert auf Qualität.
Die Ausstellung von Andreas Noßmann dauert noch bis zum 1. November.
(Kathrin Lauterbach)
(Münchner Merkur – 30.09.1989)
