

Noßmann‑Ausstellung und die Kulturtage ’89 eröffnet
Gevelsberg. (liz) Das flüchtig vorüberschweifende Auge wird die Bilder von Andreas Noßmann nicht begreifen – sie verlangen das Verweilen, zwingen mittels der Dichte und Lebhaftigkeit des Dargestellten den Betrachter zum intensiven Hinschauen, will er Noßmanns Arbeit nachvollziehen.
Mit dem Zyklus „Heldengeschichten“ nimmt der Künstler Stellung zu den banalen, oftmals glorifizierenden Kriegsdarstellungen der Zeitschrift Kriegs‑Illustrierte aus dem Ersten Weltkrieg, auf die er durch Zufall gestoßen war. Mit der Ausstellung der „Heldengeschichten“, einigen Selbstporträts und anderen Arbeiten wurden am Freitagabend im Rathaus die Gevelsberger Kulturtage 1989 von Bürgermeister Helmut vom Schemm eröffnet.
Stimmungsvoll geriet dabei die musikalische Umrahmung: Katrin Böckmann, Nicole Garthe, Max Quabeck und Kirsten Voßwinkel von der städtischen Musikschule trugen die Telemann‑Sonate C‑Dur und zwei spanische Tänze von Fritz Pils vor.
Andrea Hillerdt vom Wester‑Weide‑Verlag in Witten gab dem Publikum einführend einige gedankliche Anregungen und Interpretationshilfen zu den Arbeiten des 27‑Jährigen. Sie verwies auf das Nebeneinander zweier Bildinhalte als typisches Merkmal eines jeden „Heldengeschichten“-Titels: Da marschieren die stolzen Soldaten mit Feuergewehr in den Kampf, während Noßmann sie aus dem Original heraus in den Tod marschieren lässt. Die in den hintersten Reihen marschieren noch, die an der Front hat der Tod schon gepackt.
Betroffenheit zeichnete sich beim Betrachten der Bilder in vielen Gesichtern ab. Noßmann erspart einem nichts: Mit schonungsloser Aufrichtigkeit kommt er auch das auf die Leinwand, worüber allgemein geschwiegen wird, weil es unangenehm berührt. Am Boden liegt eine junge Frau, ihr Kind daneben – der Blick in ihr Gesicht verdeutlicht die Schamröte des Todes.
Neben den „Heldengeschichten“ zeigt Noßmann auch Porträts und Selbstporträts, von denen manche bereits durch ihre Technik bestechen: Die Zeichnungen sind auf Stoffstücke wie Leinen gemalt – meist mit Federstrichen auf verblüffende Weise zu einem Bildganzen gefügt.
