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Corona – die zweite Welle

Das wichtigste Thema hierzulande, im letzten Sommer 2020, waren tatsächlich lediglich die allseits eingeforderten Urlaubsfreiheiten nach Pimmel Kopp & Co.. Keiner hätte damals je geahnt, dass ein mittlerweile dringlich erforderlicher Haarschnitt wichtiger werden könnte als eine Pauschalreise ins wohl abgeschirmte Elend dieser Welt – um mal wieder raus zu kommen, mal wieder was anderes zu sehen, Venedig per Monsterkreuzer nun endgültig zu überfluten oder um unbekannte Kulturen zu erkunden, die man im Grunde nie zu sehen und auch nie recht nicht begreifen würde.

Nein, soweit will ich ja gar nicht ins Detail gehen wollen und lasse lieber meine kleinen, zeichnerischen Bissigkeiten, zu diesem Thema, hier zu Wort kommen lassen wollen. Aber ich postuliere natürlich hier nie reine Wahrheiten – wie auch und wo sollte ich sie auch finden – diese sind und bleiben allesamt somit nicht mehr als reine Polemik. So halte ich auch meine Kommentare hierzu, im folgenden, auch möglichst kurz und knapp.

Tanz auf dem Vulkan

Gerade in der ersten Welle dieser Krise haben anscheinend viele die Ernsthaftigkeit des Problems nicht wirklich wahrhaben wollen. Studentische Corona Partys in Parks, Großfamilien Hochzeiten und ungenügende hygienische Zustände in der Fleisch verarbeitenden Industrie sorgten, hier und da, für Schlagzeilen, die zwar allseits Kopfschütteln verursachten, aber keine allzu großen Aufreger waren … Es war zum Teil ein Tanz auf dem Vulkan, das weiß man jetzt.

Die neue Reisefreiheit

Die Deutschen als Reise Weltmeister: Im Sommer letzten Jahres war die größte Sorge noch, ab wann man mal wieder und vor allem wo man seinen wohl verdienten Urlaub verbringen könnte. Trotz aller Apelle, seitens der Politik, 2020 einmal auf das Reisen zu verzichten, machten sich dennoch, trotz aller Warnungen, Widrigkeiten und Auflagen, abertausende in die Ferne auf und brachten vermutlich auch reichlich Mitbringsel mit. Im Sommer 2021 wird es diese Diskussion wohl kaum noch einmal so wieder geben.

Baron von Münchhausen

Nein, der Baron von Münchhausen, auch bekannt als sogenannter Lügenbaron, ist keine fiktive Märchengestalt, es gab ihn wirklich. Eigentlich Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen lebte im 18. Jhdt. Die dem Baron zugeschriebenen Erzählungen gehören in die Tradition der Lügengeschichten, die weit in die Literatur des klassischen Altertums, das talmudische Judentum und das frühe orientalische Erzählgut zurückreicht. Und wenn man so manche Statements, zur jetzigen Situation, in den sozialen Netzwerken liest, könnte man auch meinen, ja, er lebt immer noch – der Baron von Münchhausen. Er würde auch tatsächlich wunderbar in unsere heutige Zeit passen …

Und sie ist doch eine Scheibe

Jürgen Domian war einst der Seelsorger im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, welche, auf Grund ihrer Teils recht speziellen Anfragen von Anrufern, erst gegen Mitternacht ausgestrahlt wurde. Egal was sich dieser bewundernswerte Mann in all den Jahren, zur späten Stunde, an abwegigsten Problemen auch anhörte – wie auch zum Beispiel, ich bin in mein Pferd verliebt – aber auch teils recht tragisches an Schicksalsschlägen – er behielt immer seine Kontenance und reagierte stets mit größter Empathie mehr als besonnen und eloquent. Nur einmal nicht – nämlich als ein Anrufer sich tatsächlich von allen und jedem betrogen fühlte, weil er doch wirklich der festen Überzeugung war die Erde sei doch eine Scheibe und nicht wie man uns allen weiß machen wolle, eine Kugel. Das hat selbst einen Domian aus dem Stuhl gehauen und ich bin mir sicher, ich habe diesen Anrufer und all seine Freunde letztens auch in den Fernsehnachrichten gesehen.

Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen

Francis Ford Coppolas cineastisches Meisterwerk Apocalypse Now, von 1979, gilt als einer der wichtigsten und bedeutendsten Filme der Kinogeschichte überhaupt und basiert im Grunde auf Joseph Conrads Roman Herz der Finsternis, von 1899. Es ist eigentlich eine Reise in die Abgründe allen menschlichen Seins, eine Reise in die Hölle, die in Teilen sogar an die Reise des römischen Dichters Vergil erinnert, so wie sie einst von Dante in seiner göttlichen Komödie beschrieben wurde. Das wohl bekannteste Zitat der Filmgeschichte: Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen, sowie aber auch das einspielen Wagners Wallküren Ouvertüre, im Film, ist Sinnbild rein menschlichen Zynismus im Umgang nicht nur mit sich selbst, sondern auch mit der Welt an sich. Nicht nur Napalm, sondern auch Agent Orange, und am Ende, was kommt dann … ?

Pistensau

Tja, Skifahren kann gefährlich sein. Aber natürlich glaubt ein jeder, der sich auf die Piste begibt, er sei ein wahres Naturtalent. Und auch wenn in den letzten Monaten nicht jene besonders Mutigen im Fokus standen, die fernab der offiziellen Pisten ihren Spaß suchten und damit wahre Schneelawinen zum rollen brachten – nein, es waren dann wohl eher die besonders Feierwilligen in Sachen Après-Ski, die im letzten Jahr für besonderes Aufsehen sorgten. Ballermann & Co. im Schnee, in Ischgl, ein Thema füt sich, was in Erinnerung bleiben wird.

Rettungsschirm

Schon seit dem ersten Lockdown wurde schon oft von einem finanziellen Rettungsschirm für alle davon Betroffenen geschwafelt. Aber es ist doch jedem klar, dass man am Ende nicht alle retten werden kann, nicht alle diesen weiteren Lockdown überleben werden. Natürlich steht der politische Fokus auf all jene Großkonzerne, die hunderttausenden Arbeitsplätze bieten und nicht auf den seit Jahren vertrauten Italiener an der Ecke, mit vielleicht nur zehn Mitarbeitern. Und ja, es ist bitter, wenn das Restaurant, der Friseur, die Galerie, das Kleintheater und Kino dann doch einmal, in den noch bevorstehenden Wochen des weiteren Lockdowns aufgeben werden müssen. Aber es wird sich dann später ein anderer finden, der in dessen Räumlichkeiten etwas neues etablieren wird – vielleicht einen neuen Ein-Euro-Billigmarkt, ein weiter Apple, Telekom oder Vodafone Shop.

Ich befürchte somit, es wird noch einen dritten Teil zu diesem Thema geben müssen …