

„Gegendarstellung“ verdeutlicht die Absurdität der Kriegshelden
Gevelsberg. (up) Es ist gute Tradition geworden, die Gevelsberger Kulturtage – mittlerweile zu einem Kulturmonat ausgewachsen – mit der Ausstellung eines heimischen Künstlers zu eröffnen. In diesem Jahr zeigt Andreas Noßmann Arbeiten aus seinem neuen Zyklus „Heldengeschichten“, dazu Selbstporträts und Werke, in denen bekannte und berühmte Zeitgenossen dargestellt werden.
Aktualität erhält die Ausstellung zweifellos durch die „Heldengeschichten“. Noßmann, 1962 in Hilden geboren, einige Zeit wohnhaft in Gevelsberg, nun in Ennepetal, bedient sich dabei einer interessanten Technik: Er nahm Original‑Lithographien der Illustrierten Zeitung, die eben jene „Heldengeschichten“ der Soldaten des Ersten Weltkriegs erzählen, klebte sie auf und „vervollständigte“ sie.
Allerdings ändert sich dadurch der Tenor der Bilder. Noßmann schafft Gegendarstellungen – aus der Heroisierung des Krieges und des Soldatentums wird die Darstellung der Absurdität des Krieges. Akribisch zeichnet der junge Künstler seine Figuren und verlangt von den Betrachtern das nahe Herangehen an die Arbeiten, die genaue Auseinandersetzung mit dem Gesehenen.
Mitunter steht allerdings der lockere, barocke Strich des Künstlers der Aussage des Bildes etwas im Wege. Der Versuch, durch Überzeichnung deutlich zu machen, schreckt mehr, als er zur Auseinandersetzung anregt.
Dennoch wird das Talent und die Weiterentwicklung gegenüber früheren Arbeiten deutlich. Eine sehenswerte Ausstellung, die zur Diskussion über die Sinnlosigkeit des Krieges und die Heroisierung scheinbarer Helden anregt.
(Westfälische Rundschau – 04.09.1989)
