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Die übernatürlichen Kräfte im Haarschopf des Samson

Ausstellung von Andreas Noßmann im Barmer BKG‑Studio

Mit den Zeichnungen und Mischtechniken von Andreas Noßmann (25) aus Ennepetal stellt die Bergische Kunstgenossenschaft (BKG) Arbeiten eines Künstlers vor, der im freien Umgang mit Linien und Farben eine eigenständige Ausdrucksweise entwickelt hat. Seine Figuren – der Mensch oder die Beziehungen der Menschen untereinander – stehen im Mittelpunkt seiner Arbeiten und sind ebenso monströs wie witzig.

Einige erinnern eher an die Karikaturen von Honoré Daumier, andere an die Gestalten von Wilhelm Busch. Die Linien dienen dem jungen, begabten Künstler weniger zum Konturieren seiner Figuren als vielmehr zum Skizzieren. Eine solche herausgehobene Bedeutung hat etwa der Haarschopf des alttestamentarischen Samson, in dem dessen übernatürliche Kräfte stecken.

Die Geschichte von Samson und Dalila, die von Rubens im Mittelalter historienmalerisch dramatisch dargestellt worden ist – nachdem Dalila ihm das Haar abgeschnitten und ihn damit seiner Kräfte beraubt hatte – wurde er gefangengenommen. Noßmann greift dieses Thema auf und interpretiert es neu, wobei der dämonische Charakterzug der Dalila zum Ausdruck kommt.

Das Bösartige und Dominante einer Frau ist auch das Thema der Serie „Vollstreckung“. Angeregt durch die Kriminalistik entstanden spontan wirkende, aber kompositorisch wohl durchdachte Blätter in Mischtechnik, die die Dramatik der Dreiecksbeziehung wirkungsvoll illustrieren.

Die enge Verbindung von Musiker und Instrument – sie miteinander verschmolzen zu sein – ist das Thema der Serie „Philharmonie“. Auf diesen Blättern ist es dem Künstler, der noch an der Bergischen Universität / Gesamthochschule studiert, gelungen, die Vibrationen der Töne sichtbar zu machen.

„Ein besonderer Reiz der Arbeiten liegt in den Bereichen ihrer inneren Unruhe trotz scheinbar äußerer Ruhe“, sagte Tobo Sohn bei der Eröffnung der Ausstellung am 13. Februar im Studio der BKG im Haus der Jugend in Barmen (Eingang Höhne). Geöffnet dienstags und freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags von 11 bis 13 Uhr.

Anke Carstens

Wuppertaler Nachrichten, 12.01.1988

Westfälische Rundschau im Januar 1988