
AGF. Münster. Wer kennt sie nicht, die grausame und spannende Geschichte „Das Pendel“ von Edgar Allan Poe. Wie ein sichtbar gemachter Alptraum wirkt die zu dieser Geschichte entstandene Zeichnung von Andreas Noßmann, dessen Arbeiten zurzeit im Atelier Simon zu sehen sind.
Noßmann lässt sich von Werken der Weltliteratur zu seinen Zeichnungen und Radierungen inspirieren, wandelt dann das gefundene Thema ab, entfernt sich vom Ursprung und gelangt auf neue Wege. Gekonnt beherrscht der junge Künstler aus Wuppertal das Bewegungsspektrum des menschlichen Körpers; er erfindet Szenen, die Theaterstücken entsprungen sein könnten. Und selbst wenn er sich von einer naturalistischen Auffassung entfernt, wie etwa in den Lackarbeiten „Der Virtuose“, bleibt doch klar, was er zeigen will.
„Ich bin hundertprozentiger Zeichner“, erklärt Noßmann. Auch seine großformatigen, in Mischtechnik angelegten Bilder seien monumentale Zeichnungen. Viele der Arbeiten Noßmanns, der Kugelschreiber und Bleistift dem Pinsel vorzieht, sind durch einen Textauszug aus der entsprechenden Buchvorlage ergänzt. Natürlich fehlen auch Porträts der Autoren nicht: Oscar Wilde, Balzac, Turgenjew – Andreas Noßmann hat ihnen ein eigenes Gesicht gegeben.
Noch bis zum 19. November sind die Zeichnungen, Mischtechniken und Radierungen im Atelier Jörg Simon in der Antoniusstraße 38 jeden Tag außer Samstag von 15 bis 18 Uhr zu sehen.
Münstersche Zeitung, 23.10.1987

