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Dowager Countess of Grantham – Maggie Smith

Ich muss zugeben, auch ich habe die britische Serie Downton Abbey, die 6 Staffeln umfasst und beginnend 1912 die Zeitspanne eines Jahrzehnt thematisiert, mit wachsender Begeisterung verfolgt, auch wenn das Ganze im Grunde nichts anderes ist als eine weitere Soapopera mit einer zeitweise ungehörigen Portion an Schmalz, Herz und Schmerz und selbst einen Shakespeare übertreffenden Theatralik.

Downton Abbey

Dennoch – Vielleicht ist hier aber das Besondere was fesselt, dass sich unter einem Dach zwei Welten begegnen und leben und welche sich, trotz aller Klassenunterschiede, gerade hinsichtlich menschlicher Schwächen und Eitelkeiten im einzelnen ähnlicher sind als es im ersten Moment vermuten lässt.

Oben – die Adelsfamilie der Crawleys, deren anscheinend einzige Aufgabe darin besteht sich belanglosen, repräsentativen Dingen zu widmen, zu jedem, selbst privaten Anlass wie das Dinner, immer passend opulent gekleidet zu erscheinen und natürlich nach standesgemäßen Partien für die drei Töchter des Hauses Ausschau zu halten.

Unten – dutzende von Dienern, Zofen und Zimmermädchen, die nach festgelegter hierarchischer Rollenverteilung bei Tisch bedienen, die zahlreichen Zimmer säubern und heizen, Betten beziehen, die Damen und Herren an und ausziehen, Haare schneiden, frisieren und selbst die Tageszeitung bügeln damit sich der Hausherr nicht die Finger mit Druckerschwärze beschmutzt.

Oben streiten sich ständig, hassen sich gar zwei der drei Töchter die ungleicher nicht sein könnten und während die eine das Pech gepachtet zu haben scheint, so gewinnt man den Eindruck, dass die andere, aus reiner Überheblichkeit und purer Arroganz ihr Glück immer wieder leichtsinnig verspielt. Unten sorgen ein homosexueller Diener (zu dieser Zeit noch ein Thema über das man bloß nicht spricht), der ehrgeiziger ist als ihm selber und der allgemeinen Arbeitsatmosphäre gut tut, eine überaus intrigante Kammerzofe und eine stets hysterische, langsam erblindende Köchin, immer wieder für Unruhe und Aufregung, welche natürlich, hin und wieder, auch bis nach Oben dringt.

Doch gleich im ersten wirklichen Dialog der Serie, in Staffel 1, Folge 1, wird deutlich wo die eigentlichen Eitelkeiten liegen: Der Butler Carson (er ist die eigentliche moralische Instanz des Hauses, der oberste Wächter der männlichen Dienerschaft) bedauert hinsichtlich des Untergangs der Titanic die zahlreichen Ladyschaften welche stundenlang in der Kälte auf den Rettungsboten ausharren mussten, während sein Hausherr hierauf erwidert, dass eigentlich jene aus den unteren Decks zu bemitleiden wären, da diese noch nicht einmal in die Reichweite eines der wenigen Boote hätten kommen können. Der allmächtige Butler wendet sich mit verständnisloser Mine ab – eine unerwartete Diskrepanz, welche sich, wie ein roter Faden, durch alle Folgen zieht.

Doch der allgemeinen Aufregung nicht genug – es sind Zeiten nicht mehr aufzuhaltender, aufkommender gesellschaftlicher Veränderungen, die durch den ersten Weltkrieg noch befeuert werden und die Bedeutung des Adelstandes zunehmend relativieren. Einst so große Häuser, wie das der Crawleys, können sich nicht mehr alleine rein über Pachteinnahmen finanzieren, Suffragetten fordern das Wahlrecht für Frauen, Arbeiter gehen für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen auf die Straße und nicht mehr jede junge Frau sieht ihr einziges großes Heil darin in einer der großen Familien des Landes dienen zu dürfen. Es entstehen immer weitere neue Berufe, selbst für Frauen. Und auch der sogenannte Standesdünkel bröckelt … die jüngste Tochter des Hauses verliebt sich zum Entsetzen aller in den Chauffeur und heiratet ihn, auf alle Privilegien verzichtend, und zieht mit ihm nach Irland. Denn das ist ja auch das allerschlimmste: ER, der Chauffeur, ist auch noch Ire …

Aber über allem vermeintlichem Ungemach, welch jene turbulenten Zeiten für die Familie mit sich bringen, thront S i e mit Argusaugen, kommentiert stets alles schlagfertig mit spitzer Zunge, typisch englischem Humor und teils überraschender, fast philosophischer Ein- und Weitsicht: Die Dowager Countess of Grantham, die Mutter des Hausherren von Downton Abbey, vortrefflich gespielt von der großartigen Maggie Smith.
So rückwärtsgewandt sie immer wortgewaltig zu streiten vermag, um das Gestrige zu bewahren („Erst Elektrizität, nun ein Telefon – langsam fühle ich mich wie in einem H.G.-Wells-Roman.“), umso erstaunlicher ist am Ende dann doch immer wieder ihre Empathie für das Unvermeidliche …

Und natürlich wäre diese Serie ohne S i e (dieser Filmfigur und dieser Schauspielerin) vermutlich nicht das, was sie ist – nämlich nur einfach gute, kurzweilige Unterhaltung. Und derer gibt es leider nur noch kaum, in diesem Format.

Dowager Countess of Grantham Violet Crawley (Maggie Smith)
Bleistift
Wvz. 5197
Format: 700 x 500 mm
Dezember 2019
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