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Exzessiv, leidenschaftlich, dramatisch

Ennepetaler Zeichner stellt neue Arbeiten aus!

Ennepetal. (no) Mit einer hochkarätigen Ausstellung setzt das Kulturamt Ennepetal seine sowohl anspruchsvolle als auch abwechslungsreiche Präsentation von Kulturereignissen fort: Diesmal ist der Ennepetaler Künstler Andreas Noßmann im Foyer des Hauses Ennepetal zu Gast. Nach den Zyklen „Philharmonie“, „Amadeus“ und „Paganini“, die bei Ausstellungen bundesweit Aufsehen erregt haben, präsentiert Noßmann nun neue Arbeiten, die im Zeitraum von knapp einem halben Jahr entstanden sind und Goyas „Desastres“-Themen aufgreifen.

Andreas Noßmann wurde 1962 in Hilden bei Düsseldorf geboren, lebt aber seit Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis, zunächst in Gevelsberg, jetzt in Ennepetal, wo sich auch sein Atelier befindet. Seine Ausbildung absolvierte er an der Universität Wuppertal mit dem Studiengang Kommunikations-Design, Schwerpunkt Grafik und Malerei. Seit 1987 stellt Noßmann, dessen zeichnerisches Talent ihm schon früh den Ruf als erstklassiger Zeichner eingebracht hat, seine Arbeiten regelmäßig aus – in Iserlohn, Münster, Essen, Bocholt, Solingen, Hagen, Wuppertal, Braunschweig, Düsseldorf und Frankfurt.

Zu Beginn seiner künstlerischen Entwicklung beschäftigte er sich mit unproblematischen Themen, etwa dem Bereich des Balletts oder der Zirkuswelt. Obwohl weniger dramatisch, waren auch hier bereits sein kompositorisches Geschick, sichere Körperhaftigkeit sowie das gekonnte Setzen von Akzenten und Kontrasten deutlich zu erkennen. Ideenreichtum und hartnäckige Arbeitsweise ließen schon bald ein umfangreiches Werk entstehen: Zeichnungen, Aquarelle, Collagen, Radierungen. Die meisten Arbeiten sind in Zyklen gebunden – „Philharmonie“, „Amadeus“, „Paganini“. Auch in seinem neuesten Zyklus „Desastres-Arbeiten nach Goya“ ist er seinen persönlichen, ursprünglichen Stil treu geblieben.

Zugleich kommt in Zeichnungen, die das letzte Lebensjahr des Künstlers thematisch umreißen, eine eigenständige Thematik hinzu. Sie sind nicht Skizze oder Vorstudie, sondern das eigentliche Medium künstlerischen Ausdrucks. Noßmann erreicht die Intensität durch Bleistift, Graphit, Pastell und Feder sowie das Lavieren des Verreibens einer aufgetragenen Farbe mit Wasser. Starke malerische Akzente bilden den Aktionsraum für seine Figuren, meist werden Bewegungen abgebildet oder angedeutet. Hinzu kommt die Gegensätzlichkeit der Bewegungsrichtungen und deutliche Kontrastierung von starker und schwacher Farbgebung. Licht und Schatten sind spannungsvoll eingesetzt und verleihen den Bildern Lebendigkeit und plastische Fülle.

Zum ersten Mal sieht man Noßmann hier drastisch und unmittelbar nehmen sich den Betrachter spontan gefangen – wie beim Zyklus „Amadeus“. Zentral ist hier – wie der Name schon sagt – Mozart, der gottbegnadete Musiker. Leidenschaftlich, expressiv, erotisch, ausschweifend bis zu Ekel, oft mit abstoßender Brutalität sind die Figuren in Szene gesetzt. Auch bei den „Desastres“-Arbeiten findet sich diese expressive Darstellung wieder: klare Umrisse, Plastizität, Ordnung, Halt und Ruhe.

Leidenschaftlicher Aufruhr ist auch in den neuen „Desastres“-Arbeiten des Ennepetaler Künstlers spürbar. Erinnerung, Qual, Leid und Trauer hinterlassen deutliche Spuren. Sie lassen die Szenen des spanischen Bürgerkriegs zur bedrückenden, beunruhigenden und erschreckenden Zeugnisgabe sozialer Umstände werden, die unmittelbar verständlich sind. Überraschend stark prägt sich dabei der Maler Goya, dessen Arbeiten einen wichtigen Einfluss auf Noßmanns Gestaltung zu haben scheinen.

Die Variationen des Ennepetaler Künstlers sprechen die übergeschichtlichen Bezüge hinaus an: Verbindung, Verzweiflung, qualvolle Schicksalsschläge. Aber es gibt auch Inseln der Ruhe, stille, fast zärtliche Szenen, die vom Bleistift oder Tusche getragen werden. Noßmann erzeugt in seinen Arbeiten wechselnde Stimmungen, in denen das Leben selbst widerhallt.

Weitere „Desastres“-Variationen, die besonders den sozialen Bereich behandeln, sollen demnächst in Köln gezeigt werden. Die Ausstellung im Haus Ennepetal ist montags bis freitags von 10 bis 20 Uhr und samstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Kataloge und Plakate können in der Stadtbücherei erworben werden. Die Eröffnung findet am Freitag, dem 12. Januar, um 20 Uhr statt.

(Zeitung, Datum, unbekannt. Vermutlich Januar 1990. Da es hier aber um eine etwas längere Vorschau, zur Ausstellung im Haus Ennepetal 1990 über zwei Seiten geht, könnte es ein Wochenblättchen gewesen sein)