
KETTWIG. Gegen das romantische Mozartbild, das in der Literatur und in Filmen immer wieder vermittelt wird, wendet sich Andreas Noßmann in seinen Federzeichnungen, die zur Zeit in der Galerie Schütte zu sehen sind. Sein „Mozartzyklus“ zeigt keine heiteren, unbeschwerten Impressionen, sie sind vielmehr bissig und voller Symbolik. Totenkopfähnlich und skelettiert zeigen sich Gesichter und Körperteile, fratzenhaft sind die Züge des Komponisten, seiner Feinde und Frauen, jeglicher harmonische Eindruck wird unterbunden. Umgekippte Weingläser, ein Kruzifix und ein angegessener Apfel sind wiederkehrende Motive in den Federzeichnungen mit Tusche, die zum Teil nachaquarelliert sind.
Der künstlerischen Auseinandersetzung mit einer Persönlichkeit geht bei Andreas Noßmann immer eine intellektuelle voraus. So hat er sich zunächst eingehend mit Biographien und auch den Mythen, die um das Wunderkind aufgebaut wurden, beschäftigt.
Diese werden in seinen Bildern aufgegriffen und in Relation zu verschiedenen Lebensphasen Mozarts gesetzt. Drastisch führt der Künstler dem Betrachter Sexszenen vor Augen, denen jeglicher romantischer Zug mangelt. Der Komponist wird in seiner exzessiven Lebensweise präsentiert. In der Kindheit stehen der Erzbischof und der Vater drohend vor dem mit verbrannten Augen spielenden Wunderkind.
Der „Amadeuszyklus“ von Andreas Noßmann umfasst insgesamt 120 Zeichnungen, von denen 23 in Kettwig gezeigt werden. Die Ausstellung ist aber noch durch andere Zeichnungen bereichert, die Künstler zeigt 26‑Jährig darin Bemerkenswertes, und es gibt weitere zahlreiche interessante Aspekte im Mozart‑Zyklus: So blicken sich beispielsweise die dargestellten Figuren nie an. Sie befinden sich zwar eng beieinander, häufig in engem Körperkontakt, aber nie im Blickkontakt. Kontrastreich ist der Gegensatz zwischen der gestalteten Fläche und den großen Freiräumen.
Zwei Porträts des Komponisten zeigen jeweils nur eine ausgearbeitete Seite, die andere ist verschwommen und gibt dem Betrachter daher die Möglichkeit, einen subjektiv gestalteten Part zu entwickeln.
Die Ausstellung ist bis zum 30. Juli in der Galerie Schütte, Kaiserstraße 17, mittwochs bis freitags von 20 bis 22 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung zu sehen.
Anmerkung: Zu diesem Artikel fanden sich keine Hinweise auf die Zeitung und das Datum konnte nur auf Juli 1988 bestimmt werden.

