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Im Labyrinth der Apokalypse

Die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges, vor allem jene an der Westfront, glichen verbrannten Mondlandschaften, bildeten unwägbare Labyrinthe, geformt durch endlos angelegte Verteidigungsgräben und den stetigen, zermürbenden Artilleriebeschuss beider Seiten. Wer im Niemandsland ernsthaft verwundet wurde, zum Beispiel bei einem der zahlreichen, völlig unsinnigen Sturmangriffen auf eine der gegnerischen Stellungen, hatte nur wenig Hoffnung darauf dies zu überleben. Sich selber nicht mehr fortbewegen zu können, kam somit einem Todesurteil gleich. Denn man konnte nie wissen, wann ein Waffenstillstand erfolgen würde, um durch Sanitäter gerettet zu werden. Die Toten wurden in der Regel sowieso, zum verfaulen im Niemandsland, zurückgelassen und nie wirklich beerdigt.

Das moderne Militär-Sanitätswesen begann im Grunde schon mit den ersten großen stehenden Heeren im 17. Jahrhundert, doch mochte man dessen humanitärer Bedeutung lange Zeit keine allzu große Aufmerksamkeit beimessen wollen. Ein Soldat hatte eben ruhmreich zu sterben und gefälligst nicht als Krüppel in der Heimat, als lebende Mahnung, herum zu stolzieren. Ein Menschenleben war eben nicht allzu viel wert.

Erst im 19. Jahrhundert wurde so langsam, auch seitens des Militärs, das Bergen und pflegen all jener, auf den Schlachtfeldern Verwundeter, zunehmend als verpflichtende, gesellschaftliche Notwendigkeit akzeptiert. Doch in der Praxis, in den Wirren und Unwägbarkeiten eines solch großen Gemetzels, wie der Apokalypse des Ersten Weltkrieges, war die Hoffnung eines Verwundeten auf Rettung dennoch eher düster. Wenn dann doch im Niemandsland von Sanitätern aufgelesen, dann unter größten Schmerzen auf einer einfachen Bahre zur Stellung zurückgetragen werden konnte, bestand zumindest ein Mindestmaß an Hoffnung, tatsächlich in einem der hinter der Frontlinie gelegenen, provisorisch eingerichteten Lazarette, notdürftig versorgt zu werden. Vielleicht hätte sich aber sogar im Nachhinein der ein oder andere Glückliche sogar gewünscht, man hätte ihn besser im Labyrinth der Apokalypse vergessen.

„Im Labyrinth der Apokalypse“
Federzeichnung, Farbstift, Aquarell
Wvz. 5239
Format: 360 x 470 mm
August 2020

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