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Kunst voller Rätsel und schöner Details

Neue Ausstellung in der Galerie Schütte

Kontraste auf engem Raum: Die Galerie Schütte in der Bornstraße präsentiert bis zum 31. August die fast unvereinbaren Werke dreier Künstler, die sich mit figürlichen Darstellungen auf die unterschiedlichste Weise ausdrücken. Eine Installation mit Miniaturgemälden, aufgespießt an Drähten und vor Glühbirnen baumelnd, zeigt Greoon Inger (geb. 1960), der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hatte. Der Bernhard‑Heisig‑Schüler Sighard Gille (geb. 1941) hat Zeichnungen in Mischtechnik ausgestellt und Andreas Noßmann (geb. 1962 in Hilden), den Essenern bestens bekannt durch seine gekonnt (und kühn) gezeichneten Plakate zu den Aalto‑Inszenierungen der „Lustigen Witwe“ und zu „Orpheus in der Unterwelt“, zeigt brillante Werke aus den letzten Jahren.

Noßmanns Werke bestechen durch die Raffiniertheit und Eleganz seiner Zeichenkunst. Goya hat er tief ins Werk geguckt: Nicht nur die Thematik der Caprichos, die er aufgegriffen, variiert und auf unsere Zeit übertragen hat, hat ihn bei diesem Meister fasziniert – dessen Strichführung und typologische Menschendarstellung ist ihm zu eigen geworden.

Gestalten in Ärztekitteln Werke autobiographischen Inhalts, voller Symbolgehalt, eine Mischung Lust und Ekel erregender Darstellungen, mit Paaren, denen man mittels Spritzen den Lebenssaft aussaugt, die umgeben von unheimlicher Gestalten in Ärztekitteln und bedrohlichem Mediziner‑Instrumentarium versuchen, sich dennoch zu lieben. „Frustbarkeiten“, ein typisches Werk dieses Inhalts, gehört dazu. Selbstdarstellungen, versteckt im Werk oder offen deklariert, zeugen von Kämpfen mit den Gespenstern, die sich im Innern einnisten. Werke voller Rätsel und Intensität des Ausdrucks, die ansprechen.

Anders das Werk Ingers: Hier muss man zweimal oder mehrmals hinschauen, am besten mit der Lupe, um die liebevoll gemalten Aquarellbilder auf kleinen und kleinsten Zetteln und Fahrbillets zu erkennen. Motive alter Fotografien hatte er zum Vorbild. In der alten Sauna der Galerie installierte er diese Werke an einer Lichterkette. Titel: „Stromschmelze“. Kunsthandwerkliche Geschicklichkeit haben sich mit Konzeptkunst verbunden.

Das erste Mal sind Arbeiten des ehemaligen DDR‑Künstlers Sighard Gille in Westdeutschland zu sehen: Mischtechniken aus den letzten Jahren zeigen großzügig hingeworfene Blätter Tagebuchcharakters. Chemiewaffentransporter, eine Büglerin, Männer in Umkleidekabinen am Sportplatz, ein Selbstporträt mit Staubmaske weisen ihn als vielseitigen und souveränen Zeichner und Maler aus.

Selbstporträt mit Staubmaske Dagmar Schenk‑Güllich

NRZ, 21.07.1991