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Life of Pi

pieNormalerweise verweigere ich mich ja instinktiv jenen Kinofilmen, die ganz offensichtlich aus einem mir völlig fremden Kulturkreis stammen. Ich weiß, dass dies einer meiner großen Mankos ist und wie ich mir schon beim Film „Slum Dog Millionär“ eingestehen musste, wäre mir auf Grund meiner vielleicht völlig unbegründeten Vorbehalte, in dieser Hinsicht, ein wirklich herausragender Streifen gänzlich entgangen.

Bei „Life of Pi“ hatte ich zwar auch wieder jene seltsamen Bedenken  – aber man musste mich dieses Mal nicht wirklich drängen. Dieser Film hat sich gelohnt – ja sehr gelohnt sogar!

Im Grunde ist die Geschichte, der Plot des Films, schnell erzählt: Pi Patel wächst in einem Zoo in Indien auf, welcher seinen Eltern gehört. Als dieser sich nicht mehr finanziell rentiert, beschließt der  Vater, gemeinsam mit seiner Familie (mit seiner Frau, Pi und seinem Bruder) nach Kanada auszuwandern, wo man ihm eine Stelle angeboten hat. Die Zootiere will er allesamt mitnehmen, um sie dort gewinnbringend verkaufen zu können.

Man vertraut sich nun, zum Zwecke der Überfahrt, einem japanischen Frachtschiff an, mit deren rauer Besatzung man auch schnell in Konflikt gerät, vor allem mit deren Schiffskoch (Gérard Depardieu), welcher sich schon bei der ersten Essensausgabe mehr als schofelig benimmt, als man ihn zu verstehen gibt, das man Vegetativer ist.

An Bord sind auch alle Tiere aus dem nun aufgegebenen Zoo.  Kurz vor seinem Zielhafen gerät das Frachtschiff in schwerstes Unwetter und sinkt. Nur Pi kann sich auf ein führerloses, vor sich hin treibendes Rettungsboot retten. Vater, Mutter und Bruder, sowie die komplette Besatzung des Frachters werden von dem sinkenden Schiff mit in die Tiefe gerissen.

Als die Wogen sich halbwegs glätten, das Getöse des Sturms langsam abnimmt, wird schnell klar, Pi ist auf dieser Nussschale von Rettungsboot nicht gänzlich allein.  Neben einem verletzten Zebra, welches sich im Bug des Rettungsbootes bisher zusammengekauert verstecken konnte, taucht unter der über das Heckteil gespannten Plane, plötzlich eine aggressive Hyäne auf, die auch gleich für ordentliche Stimmung sorgt.  Desweiteren wird aus den noch immer sehr beängstigend hoch schlagenden Wellen, ein Orang-Utan  gerettet. Und zum allzu großen Schrecken von Pi, nimmt auch noch ein Tiger (mit Namen Richard Parker) Kurs auf sein wankendes Boot, schafft den Satz, oder Sprung,  genau im richtigen Moment, über die sich ihm zu neigende Reling,  verzieht sich gleich aber erst einmal, wohl völlig verängstigt  von den tosenden Naturgewalten unter die Plane.

Wer nun jetzt auf eine weitere rührselige Walt Disney Tiergeschichte hofft, in der sich alle, Tier und Mensch, in den Armen liegend ihrem weiteren Schicksal in Gemeinschaft entgegen stellen, sollte an dieser Stelle gleich ausschalten. Denn die immer noch panisch hektische Hyäne entsorgt als erstes das Zebra, dann den Affen und ihr nächstes Opfer scheint wohl Pi zu sein, als es dem Tiger, bisher nur unter der Plane kauernd, wohl nun doch zu blöd wird und nun seinerseits aktiv wird und diesen kichernden Aasfresser endlich aus dem „Spiel“ nimmt.

All jenen, die schon bei Tierfilm Dokumentationen zum Thema Fressen und Gefressen werden, mit der armen Gazelle allzu sehr mitleiden, somit gleich völlig verstört umschalten, um sich dann wieder etwas genüsslicher, dem eigenem, noch halbblutigem Steak zuwenden zu können, sei versichert, in diesem Film fließt kein Blut, was einen wie mir allerdings, der halbwegs Wert auf Realismus Wert legt, sauer aufstößt. Denn von den vermeintlichen Tierkadavern, welche dem Tiger wohl in den kommenden Tagen auf See, in diesem Rettungsboot, als Nahrung dienlich sein werden müssen, ist ab sofort nichts mehr zu sehen.

Pi befürchtet nun zu Recht irgendwann auch selber Opfer des Tigers zu werden. Geistesgegenwärtig, während der Tiger noch satt unter seiner Plane vor sich hin döst, rafft er alles zusammen was greifbar ist: Rettungsringe, Paddel, Nahrung in Dosenform usw. um sich eine eigene kleine schwimmende Insel zu schaffen, um sich vor dem Tiger in Sicherheit zu bringen. Da Pi allerdings auch klar ist, dass er das Rettungsboot noch brauchen wird, bleibt seine kleine „Insel“  mit dem Revier des Tigers, wenn auch im sicheren Abstand, gut vertäut.

Im Grunde beginnt hier der eigentliche Kampf zwischen Mensch, Natur und Tier, die gut die Hälfte dieses Films ausmachen – und dies in so bildgewaltigen Aufnahmen, die nur immer wieder Staunen lassen.  Auf die weiteren Details der Handlung, muss man dieser Stelle nicht weiter eingehen …  es gibt noch viel zu sehen und zu erleben.

Natürlich hat „Liefe of Pi“ inhaltlich noch mehr zu bieten, als nur atemberaubende Bilder. Den ganzen Film „könnte“ man somit auch als esoterisch, religiöse Parabel verstehen können wollen – als eine Suche nach dem göttlichen in einem selbst.  Hierzu muss man allerdings ganz weit zurück, bis hin zum Intro. Intro?

Der Film beginnt ja eigentlich mit Pi, nun in einem gesetzteren Alter und  jetzt in Kanada lebend. Und er erzählt die Geschichte seiner Familie einem eher namenlosen Schriftsteller mit Schreibblockade, der auf der Suche nach einem neuen Stoff ist. Pi, wie seine Eltern Hindu, erzählt wie er zum Glauben des Katholizismus konvertierte, dann doch auch noch zum Islam fand, und dies alles zum Entsetzen seines Vaters und zur großen Belustigung seines Bruders. Nur seine Mutter zeigt  Verständnis.  Woody Allen lässt grüßen  – es gibt halt nur einen Gott … Die jeweilige Religion ist nur Form, mehr nicht.

Der gesamte Streifen, im Grunde mit einer klaren Aussage, wenn man sie denn überhaupt sehen will, bietet am Ende eine hierzu durchaus verständliche Auflösung dieser unvorstellbaren  Odyssee.  Ich will ja auch nicht zu viel vorweg nehmen: Pi muss sich, schon kurz nach seiner Rettung,  vor der japanischen Schifffahrtsbehörde erklären. Er erzählt seine Geschichte, so wie seine Geschichte im Film erzählt wurde und stößt damit natürlich nur auf wenig Verständnis …  Man bittet Pi, das alles nochmals zu überdenken! So könne man das nicht erklären, so zu keinem sachlichen Abschluss bringen.

Pi, erzählt seine Geschichte also noch einmal – abermals recht umfangreich, nur er vertauscht  in seiner neuen Erzählung jetzt die Tiere auf Deck seines Rettungsbootes gegen all jene Unglückseeligen Mitreisenden, welche auf diesen unsäglichen Frachter mitreisten.  Und ab jetzt hier sei es dem Betrachter dieses Filmes, bzw. dem Lesers dieses Blogs hier selber überlassen –  zu interpretieren – wer nun in der zweiten Geschichte von Pi die Hyäne, der Affe oder das Zebra war … Aber vor allem,  WER ist der Tiger „Richard Parker“?

Fazit: Großer, toller Film, mit allzu atemberaubenden, schönen Bildern, mit nochmals wieder Schauen Faktor. Ich wollte, hinsichtlich dieses Filmes noch auf Schopenhauer zu sprechen kommen. Nein, es reicht jetzt  …

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