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Mozart oder Sartre dienen Andreas Noßmann als Anstoß

Junger Künstler mit ersten Erfolgen zufrieden

von Christian Lotz

Ennepetal. Schon beim Betreten der Wohnung, die man auch als „Wohn‑Atelier“ bezeichnen könnte, ist spürbar: Hier wohnt jemand, der Jugend mit Intellekt und Kunst verbinden kann. Einen Raum weiter trete ich fast auf Bilder, die verstreut auf dem Boden liegen. Die Wände sind voll mit ihnen, teilweise bis zu zwei Quadratmeter groß. Sie zeigen Porträts, verzerrte Figuren oder szenische Darstellungen. Ich befinde mich in der Wohnung eines Künstlers, der erst seit einigen Monaten in Ennepetal wohnt.

Andreas Noßmann, Student in Wuppertal, ernährt sich von seiner Fingerfertigkeit. Privatsammler und Galerien sind seine Abnehmer. Als ich ihm beim Malen zuschaue, ergreift mich Bewunderung: Seine Figuren scheinen über das Papier zu fliegen. Neben den Zeichnungen und zarten Linien arbeitet er auch mit Aquarellfarben; spezialisiert ist er auf Mischtechniken.

Bis jetzt scheint er noch ein Künstler wie jeder andere zu sein, doch er erklärt mir Folgendes: „Auslöser meiner Arbeiten ist die Literatur. Ich lese Sartre, Poe, Balzac oder Voltaire. Dabei entsteht durch meine eigene, individuelle Interpretation ein Bild in meinem Kopf, das ich dann auf das Papier übertrage.“ Viele Bilder von Andreas Noßmann sind Serien, in denen er Szenen aus der Literatur umsetzt. So sind seine Werke auch für Literatur‑Suchende interessant.

Als Abschlussarbeit entsteht immer ein Leinwandbild. Oft, so erzählt er, arbeitet er die Nächte durch. Es fällt mir auf, dass viele seiner dargestellten Figuren verzerrt dargestellt sind. Darauf angesprochen, erwidert er: „Es muss extrem sein. Erst wenn etwas so einfach dargestellt wird, erweckt es Interesse an der Kunst.“

Aber nicht nur Literatur dient Andreas Noßmann zur Inspiration. Auch klassische Musik, etwa Mozart, Beethoven oder Chopin, dienen ihm als Anstoß. „Während der Musik entstehen Bilder“, erklärt der 25‑Jährige. Allerdings hört er heraus, oder hört nicht nur klassische Musik. Genau wie jeder andere junge Mensch lässt er sich gelegentlich mit Pop‑ oder Unterhaltungsmusik berieseln.

Andreas Noßmann hatte 1987 schon kleinere Ausstellungen, darunter in Iserlohn, Gevelsberg, Münster und Bochum. Anfang ’88 
folgte eine Ausstellung in Wuppertal und bald eine in Braunschweig. Die Eröffnung seiner Ausstellung im Studio der Bergischen Kunst‑Genossenschaft waren volle Erfolge; unzählige Kunstinteressierte drängelten sich am 8. Januar durch die Räume. Nach diesem Start werden die ersten Arbeiten bereits verkauft.

Westfälische Rundschau, 22.01.1988